Kapitel 2: Die alte Höhle
- Aufblendung-

DORFPLATZ

Der Priester und die Frau scheinen bei ihrer ernsten Unterhaltung sehr aufgeregt zu sein. Der ältere Mann hat graues Haar, einen kleinen Bierbauch und trägt einen ähnlichen Mantel wie Vidar, wobei die Kapuze nicht auf seinem Kopf sitzt sondern zurückgelegt auf seinen Schulterblättern ruht.

SONJA:
(flehend)
„Zemedeus, du musst mir helfen!“

ZEMEDEUS:
„Beruhige dich bitte. Wir sind uns auch nicht sicher wohin sie gegangen sind, aber er
sprach von einem besonderen Ort...“


SONJA:
„Was könnte denn damit gemeint sein?“

ZEMEDEUS:
(kratzt sich am Kopf)

„In dieser Umgebung käme da Vieles in Frage, aber Bruder Brachos glaubt, dass er
gesehen hat wie sie in Richtung Wald marschiert sind.“


SONJA:
„Und weiter?“

ZEMEDEUS:
„Hmm, das könnte auf die Höhle auf der anderen Seite hindeuten!“

Nun kommen Xena und Gabrielle dazu.
Die Kriegerbardin verschränkt die Hände hinter ihrem Rücken, während ihre Freundin sie über der Brust verschränkt.

GABRIELLE:
(zu Sonja)
„Entschuldigung, wir haben dich vorhin in der Taverne gesehen und uns gefragt, ob
wir vielleicht irgendwie helfen können...“


SONJA:
(runzelt die Stirn)
„Kenne ich euch? Ich wüsste nicht.“

GABRIELLE:
„Oh nein, wir sind auf der Durchreise; das ist Xena und mein Name ist Gabrielle.“



SONJA:
„Moment... ja natürlich, ich habe schon von euch und euren Heldentaten gehört.
Was für ein glücklicher Zufall, dass es euch gerade jetzt hierher verschlagen hat!“


GABRIELLE:
(lächelt)
„Ja, nicht wahr?“

SONJA:
„Mein Name ist Sonja und das hier ist Priester Zemedeus.“

Der Priester nickt den Damen zu.

XENA
(freundlich)
„Willst du uns sagen was passiert ist?“

ZEMEDEUS
(zuvorkommend)
„Seit zwei Tagen werden mein Ordensbruder Vidar und der junge Kalidor
vermisst. Möglicherweise wollte er ihm die alte Höhle am anderen Ende
des Waldes zeigen...“


SONJA:
„Kalidor ist mein kleiner Sohn. Ich wäre euch unendlich dankbar, wenn ihr ihn für
mich suchen könntet!“




GABRIELLE:
(sanft)
„Mach dir keine Sorgen, Sonja. Wir werden deinen Sohn schon finden, in Ordnung?“

SONJA:
(strahlt)
„Habt tausend Dank! Oh, braucht ihr vielleicht etwas, ein Pferd?“

GABRIELLE:
„Eines haben wir aber ein Zweites wäre wirklich nicht schlecht.“

SONJA:
„Natürlich, das ist kein Problem. Kommt mit, ich zeige euch den Stall...“

Sonja setzt sich in Bewegung und geht zielstrebig auf den nahe gelegenen Stall zu, während sich Zemedeus gemächlich wieder ins Kloster begibt. Xena und Gabrielle bleiben noch stehen und werfen sich einen Blick zu.

GABRIELLE:
„Was denkst du?“

XENA:
(grimmig)

„Mein Humor geht gerade wieder den Bach runter. Vor allem wenn es um das
Verschwinden eines Kindes geht... Wir brechen bei Einbruch der Dunkelheit auf.“



- Schnitt-

WALDRAND

Der Abendhimmel verdunkelt sich und nach einem langen Ritt durch den Wald erreichen Xena - mit Argo - und Gabrielle - auf dem Rücken eines braunen Pferdes - das andere Ende. Bevor sie das Dickicht hinter sich lassen, steigen sie ab und beziehen dann hinter zwei breiten Bäumen Position. In ihren Augen spiegelt sich das lodernde Lagerfeuer, das neben der Steinplattform, auf welcher Vincent schläft, entzündet worden ist. Sein Buch hält er dabei fest umklammert in den Händen. Der Höhleneingang im Hintergrund ist durch zwei Fackeln an den Wänden ebenfalls erleuchtet.

Gabrielle zieht eine Braue hoch und sieht fragend zu ihrer Freundin.

GABRIELLE:
„Ob das der Priester ist?“

Die Kriegerprinzessin hat ihre verengten Augen nach wie vor auf die Umgebung vor ihnen gerichtet und schüttelt dabei leicht den Kopf.

XENA:

„Ich bezweifle es.“

Ein plötzlicher Windstoß in ihre Richtung wirbelt einen Aschehaufen auf, der in den Wald hinein geblasen wird. Schützend gehen sie hinter den Bäumen in Deckung und blicken sich dann wieder an.

XENA
(trocken)
„Das war er wohl...“

GABRIELLE:
„Und der Junge?“

XENA:
„Vielleicht. Ich möchte mir die Höhle mal ansehen. Du musst den da ablenken.
Finde heraus wer er ist...“

Die Kriegerbardin nickt. Während Xena schleichend einen Bogen macht um sich unbemerkt zur Höhle zu begeben, wartet sie an ihrem Baum bis ihre Freundin drinnen ist.



- Schnitt-

VOR DER HÖHLE

Xena betritt die Höhle und Gabrielle nähert sich daraufhin langsam dem schlafenden Vincent, wobei sie leicht auftritt, um Geräusche zu vermeiden, die sie möglicherweise ankündigen und den Mann verschrecken könnten. Einen Schritt vor der Plattform hält sie inne. Für einen Moment mustert sie die Gestalt vor ihr, presst die Lippen zusammen und atmet tief durch, bevor sie behutsam eine Hand ausstreckt um ihn zu wecken. Doch ehe sie ihn an der Schulter berühren kann, fährt Vincent hoch und ergreift fest ihre Hand.

GABRIELLE:
(erschrocken)
„Ah! Tut mir Leid, ich wollte dich nicht schrecken. Ich hab aus dem Wald das Feuer
gesehen und mir gedacht ich schau mal kurz vorbei...“


VINCENT:
(verschlafen, ruhig)

„Mein Feuer brennt, weil ich müde bin und hier lagere. Aber ich frage mich:
Was treibt dich um diese Zeit hier her, junge Dame?“

Er lockert seinen Griff; die Bardin schüttelt ihre Hand und macht wieder einen Schritt zurück.

GABRIELLE:
„Das ist eine gute Frage! Ich äh gehe gern hier nachts spazieren, weißt du?“

VINCENT:
„Ich weiß, dass ich hier sehr oft übernachte... Und dich hab ich noch nie gesehen.“

GABRIELLE:
(verlegen)
„Na ja, nie wirklich hier auf dieser Seite, ich bleibe sonst nur...“

VINCENT:
(grinst)
„Ist schon gut. Ich habe gelogen... das letzte Mal als ich hier war liegt viele
Jahreszeiten zurück.“

Gabrielles Blick schweift langsam ab, gleitet die schmutzige Kleidung hinunter bis zu seinem Schoß, in dem sein Buch liegt. Der Mann bemerkt dies und zieht eine Braue hoch.


VINCENT:
„Gefällt es dir?“

Sie schreckt wie aus einem Traum hoch und heftet ihre weit geöffneten Augen wieder auf Vincent.

GABRIELLE:
„Hmm? Ja, ja es sieht sehr... interessant aus. Es muss sehr alt sein...“

VINCENT:
„Das ist es auch.“

Die Kriegerbardin wirkt neugierig und rückt etwas näher an ihn heran.

GABRIELLE:
„Ich schreibe selbst gern Geschichten und Gedichte... Was enthält es?“

VINCENT:
„Meine Geschichte.“

GABRIELLE:
(erstaunt)
„Du musst schon sehr lange daran schreiben, so dick wie es ist.“

VINCENT:
„Es ist ein Epos... wie ist dein Name?“

GABRIELLE:

„Ich bin Gabrielle. Und du?“

VINCENT:
„Vincent... Komm, setzt dich.“

Er setzt sich auf und streckt sich, während sich Gabrielle neben ihn setzt. Ihre Augen treffen sich erneut und sie versinkt regelrecht darin. Seine Erscheinung ist zwar auf den ersten Blick nicht sehr einladend, aber in seinen dunklen Augen erkennt man bei näherer Betrachtung ein magisches Funkeln.


- Ausblendung-