Kapitel 4: Legendäre Kriegerprinzessin und Kriegerbardin
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CYRENES TAVERNE, UNTERES STOCKWERK

Das Publikum ist unruhig. Teilweise sind etwas unsichere Buhrufe zu hören.

MINYA:
„Das... das ist doch alles Unsinn!!!
Von wegen ‚höherem Wohl’... Die beiden sind... Seelenverwandte! Wieso sollen sie
getrennt enden, wegen einem... Unfall? Das Ausmaß des Brandes war ja ein Unfall!
Das ist nie und nimmer ein würdiges Ende für unsere Heldinnen!“


ERZÄHLERIN:
„Wer sagte denn, ich sei fertig?“

RÜCKBLENDE/Szenensequenzen [Der Weg der Erkenntnis, Der Berg des Todes]


Griechenland, Höhle

Gabrielle steht mit einer Mischung aus Verzweiflung und Wut da.
Sie horcht auf, als eine Stimme aus dem Nichts kommt.

NANAMI:
„Xena kann gerettet werden, denn Akemi hat sie glauben lassen, dass es keine andere
Möglichkeit als ihren Tod gäbe, um all die Seelen zu befreien und Yodoshi zu bekämpfen.
Aber das sollte Akemi nur ermöglichen, sich die gesamte Macht Yodoshis anzueignen,
um selbst als Herrscherin zu fungieren.
Xenas Asche kann durch ein Ritual wieder zum Leben erweckt werden.“


- Schnitt-

Japa, Vor dem Schrein

Gabrielle kämpft mit Akemis Krieger.

- Schnitt-

Im Schrein




Gabrielle nimmt die Urne mit Xenas Asche.

- Schnitt-

Schattenreich

AKEMI:
(beunruhigt)
„Woher hast du das Katana?“

XENA:
„Du warst dir anscheinend zu sicher.
Deine Arroganz hat dich nachlässig gemacht.
Gabrielle fand einen Weg zu mir.
Und rate mal, was sie mir als Begrüßungsgeschenk mitgebracht hat!“


- Schnitt-

Xena kämpft mit Akemi

- Schnitt-

Xena durchbohrt mit dem Katana Akemis steirnernes Herz;

- Schnitt-

Zusammen mit den anderen befreiten Seelen geht sie auf ein Licht zu

- Schnitt-

Japa, Berg Fuji, Am Brunnen

Gabrielle schüttet die Asche hinein.

- Schnitt-

Ein Körper entsteigt aus dem Brunnen und tritt aus dem Nebel heraus.

Xena ist unbekleidet und das lange schwarze Haar liegt nass auf ihren Schultern.

XENA:
(leise)
„Hi.“

GABRIELLE:
(flüsternd)
„Hi.“

- Schnitt-

Die Bardin nimmt den Umhang von Isamu entgegen und legt ihn Xena über die Schultern.

XENA:
„Und? Wohin gehen wir jetzt?“

Gabrielle greift an ihren Gürtel, nimmt das Chakram und hält es Xena entgegen.



GABRIELLE:
„Ich weiß nicht. Lass uns nach Süden gehen, ins Land der Pharaonen.
Ich habe gehört, dass sie dort ein Mädchen mit einem Chakram benötigen.“


Xena nimmt ihr Chakram und hält Gabrielles Hand.

XENA:
„Wo immer du hingehst, ich bin an deiner Seite.“

GABRIELLE:
„Ich wusste, dass du das sagen würdest.“



GEGENWART

Es ist vollkommen still im Raum. Die Leute starren die Frau an. Niemand getraut sich wirklich zu klatschen.

Auch Lila, Autolycus und Simut zuhinterst im Raum schauen ernst drein. Lila öffnet den Mund um etwas zu sagen, doch Aphrodite weist ihr mit einer Handbewegung an, zu schweigen. Plötzlich horcht sie auf und verschwindet gleich plötzlich.

JUNGE FRAU:
(leise, zögernd)
„Ist das wirklich wahr?“

ERZÄHLERIN:
„Ja, es ist wahr. Ich weiß es.
Weil ich es selber erlebt habe.“

Mit diesen Worten zieht sie mit einer Handbewegung die Perücke vom Kopf und zieht die Dorfbekleidung ab; darunter kommt Gabrielles aktuelle Kleidung zum Vorschein.
Viele im Publikum halten die Luft an.

MINYA:
(stotternd)
„Das... das... Gabrielle?“

Gabrielle dreht sich lächelnd zu Minya um.

GABRIELLE:



„Hallo, Minya.“


- Ausblendung; Aufblendung-

Minya starrt die Bardin ungläubig an und schnappt nach Luft.

Auf einmal herrscht vollkommene Aufruhr im Raum. Alle rufen durcheinander. Einzig Gabrielles Schwester, der König der Diebe und sein Gehilfe schauen ruhig mit einem wissenden Lächeln zur Bühne.

MANN:
„Moment mal, wo ist dann Xena?“

GABRIELLE:
(während sie zum Eingang blickt)
„Sie kommt jetzt.“
(alle Blicke zur Tür; nichts passiert; Gabrielle runzelt die Stirn)
„Xena?“
(laut)
„Xena, du kannst hereinkommen!“

Nichts. Die Leute murmeln unruhig.
Auf einmal taucht Aphrodite auf der Bühne auf. Ihr Blick ist eindeutig schuldbewusst.

GABRIELLE:
„Aphrodite! Wo ist Xena?“

Aphrodite druckst etwas rum und murmelt etwas Unverständliches.

GABRIELLE:
(gefährlich ruhig)
„Aphrodite?!“

APHRODITE:
„Es tut mir leid. Ich wollte euch sicher nicht um euren Spaß bringen, aber...“
(kurze Pause; duckt sich unter Gabrielles drohendem Blick)
„...also da ist dieses Dorf nebenan... Und da ist dieser Kriegsherr, der sie angreift...
Und da hab ich viele Anhänger... Und sie haben mich um Hilfe gerufen... Und da Xena
gleich bei mir war, dachte ich, sie könne doch helfen...“


GABRIELLE:
(etwas beunruhigt)
„Was für ein Kriegsherr?“

APHRODITE:
„Fategus, Finagos... so irgendwas... Du weißt schon, derjenige, dessen Sohn ich mit der
Jungfrau verkuppelt hatte...“


GABRIELLE:
„Ach, Ferragus! Na, der wird nicht schwer zu vertreiben sein.“

APHRODITE:
(wieder etwas selbstsicherer)



„Ja, das dachte ich mir auch. Zunächst wollte ich es mit ein wenig Zauberei probieren,
aber Xena sagte etwas davon, dass sie gerade in der Stimmung sei, jemanden zu...“


GABRIELLE:
(breit grinsend)
„...zu verprügeln, ja. In Ordnung, Erklärung angenommen.
Damit wird sie wohl ne Weile beschäftigt sein.“

(zum Publikum)
„Es sieht so aus, als müsstet ihr euch vorerst mit mir zufrieden geben.“

Eine Sekunde herrscht stille. Dann...

FRAU:
„Ein Hoch auf die Kriegerbardin von Poteidaia!“

Die Zuschauer beginnen zu applaudieren, weitere Rufe folgen. Gabrielle lächelt.

MINYA:
(aufgeregt)
„Dürfen wir dir ein paar Fragen stellen, Gabrielle?“

GABRIELLE:
(nickt)
„Nur zu.“

Sofort folgt ein Hagel von Fragen aus dem Publikum. Da alle durcheinander reden, ist nichts verständlich sodass Minya erneut um Ruhe sorgen muss bevor sie auf einzelne Zuschauer weist, damit diese einzeln die Fragen stellen können.

FAN 1:
„Es geht das Gerücht um...“



(neugierige Blicke treffen die Frau)
„...dass du in den Musicals nie selber gesungen hast sondern jemand anderes es für dich
getan hat, weil du total schlecht singst. Ist das wahr?“


GABRIELLE:
(räuspert sich; etwas verlegen)
„Ähm, also... eigentlich gehen meine Gesangskünste niemanden was an, aber...
also, es ist schon möglich, dass ich keine so gute Stimme habe.“

(grinst plötzlich)
„...aber ich kann hervorragend rappen!“

Einige lachen.

FAN 2 / MIRTE:
„Ihr seht für euer Alter ja total gut aus. Was ist euer Geheimnis? Hat etwa
Aphrodite nachgeholfen?“


GABRIELLE:
(kurz irritiert)
„Ach, das ist einfach. Ich verprügle jeweils nach dem Frühstück eine Bande Räuber und“
(blickt den Fan ernst an)
„zwischendurch auch Leute, die blöde Fragen stellen. Das hält fit und ist besser
als Anti-Falten-Creme.“


Leises Gemurmel. Minya hebt interessiert die Augenbrauen. Doch da die Bardin keine weitere Reaktion zeigt - nur ein sehr aufmerksamer Beobachter bemerkt das Zucken um ihren Mundwinkel - weißt sie den nächsten Fan zum sprechen an.

FAN 3:
„Du hast gerade erzählt, dass du Xena das Wasser vom Brunnen der Stärke
Mund zu Mund übergeben hattest.
Wie war es denn, Xena zu küssen?“


GABRIELLE:
(überrumpelt)
„Äh...“

Sie starrt Fan 3 an. Es handelt sich um einen jungen Mann mit krausem Haar, Schnauz und einem Turban auf dem Kopf. Die restliche Bekleidung zeigt zwar Wohlhaben an, ist aber dennoch sehr sonderlich.

Auf einmal grinst Gabrielle breit und in ihren Augen blitzt es freudig auf.

GABRIELLE:
„Komm auf die Bühne, ich zeige es dir!“

Verwirrung entsteht im Publikum während sich Fan 3 auf die Bühne zu bewegt.

FRAU:
(ruft)
„Das ist doch...“

Die Person hat die Bühne erreicht, wo sie von der Bardin mit einem neckischen Seitenhieb empfangen wird.

GABRIELLE:
„Sehr witzig, Aphrodite...“

Die Göttin erscheint neben ihr und schaut sie spitzbübisch an. Gabrielle weist mit dem Kopf auf Fan 3 hin, der eine unschuldige Miene aufsetzt. Aphrodite zögert.

GABRIELLE:
(gespielt drohender Blick)
„Jetzt!“

Dite fuchtelt mit der Hand; Turban und Schnauz verschwinden. Die Kleider werden durch das bekannte braune Lederkleid ersetzt.

XENA:
(mault)
„Spielverderber“

Das Publikum johlt.

APHRODITE:
(zwinkert den beiden zu; weist das Publikum an, still zu sein)
„Und da ist übrigens noch jemand, der eine äußerst wichtige Frage hat.“

Xena und Gabrielle schauen die Göttin der Liebe überrascht an. Diese weist in die Menge, zum König der Diebe.

AUTOLYCUS:



„Ich hörte, ihr sucht einen Käufer für die Taverne?“


- Schnitt-

VOR CYRENES TAVERNE - ETWAS SPÄTER

ERIN:
„Nächstes Mal wenn du jemandem was wegklaust, Mirte, schau vorher, um wen es sich handelt.“

MIRTE:
„Was, ich?! Du warst genauso dafür, die Kleider zu nehmen. Und außerdem...“

DRACO:
„Hey, Schätzchen!“

Erschrocken schauen die beide zum Kriegsherrn, der - noch etwas benommen - auf sie zutorkelt. Die Beiden verziehen das Gesicht und weichen einen Schritt zurück.

MIRTE:
(zieht eine Grimasse)
„Hau ab, du...“

DRACO:
(lächelnd)
„Hat euch schon jemand gesagt, dass ihr die schönsten Wesen auf Erden seid?“

ERIN:
(für einen kurzen Augenblick geschmeichelt, doch gleich wieder ernst)
„Du sollst abhauen, hat Mirte gesagt.“

DRACO:
(zu Erin)
„...mein Herz sagt mir dass du mich auch liebst..“
(Blick zu Mirte)
„...du auch...“

Erin und Mirte weichen weiter zurück, doch Draco lässt sich nicht abschütteln.

DRACO:
„Was haltet ihr von einer Fahrt auf dem See? Heute Nacht ist Vollmond.
Das wird so was von romantisch...
Ey, geht doch nicht so schnell!...“

Kamera zu Aphrodite, die den dreien kichernd nachschaut während ihr Bruder neben ihr mit gespielter Missbilligung den Kopf schüttelt...


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Disclaimer

Die Ehre unserer Heldinnen wurde während der Produktion dieser Folge nicht verletzt.