Kapitel 3: Zeit für Wettbewerbe
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OBERES STOCKWERK, ERSTE ETAGE VIERTE TÜR RECHTS

Aphrodite erscheint in einem gleißenden Licht. Sie blickt zunächst erfreut, dann erstaunt, dann belustigt als sie Xena und Gabrielle erblickt.

APHRODITE:
(lacht)
„Mädels...“
(holt Luft)
„... ihr seht ja...“
(besinnt sich)
„Hey, wieso haben hier alle Frauen weniger an als ICH???“

XENA:
„Aphrodite, hast du die beiden Frauen gesehen da unten?“

APHRODITE:
„Welche? Alle die weniger an haben als ich???“

GABRIELLE:
„Nein... äh... die beiden, die als Xena und ich verkleidet sind.“

APHRODITE:
„Ihr habt denen eure Kleider ausgeliehen, damit die den Wettbewerb gewinnen?
Das ist ja süß von euch!“


Xena murmelt etwas Unverständliches.

GABRIELLE:
(Blick zu Xena; zurück zu Aphrodite)
„Nun ja, ausgeliehen nicht gerade...
Schau, du könntest uns da möglicherweise helfen...“



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UNTERES STOCKWERK

Der Applaus legt sich langsam wieder und die Leute fangen an, miteinander zu tuscheln. Insbesondere Mirte und Erin werden immer wieder beäugt.

HERCULES:
(leise zu Iolaus)
„Was meinst du?“

IOLAUS:
„Also, die letzten zwei...“

HERCULES:
(nickt)
„Ja, diese Kostüme sind täuschend echt.
Man könnte fast meinen, es handle sich um die Originale.“


IOLAUS:
„Mich nimmt wunder, wie sie das bewerkstelligt haben. Sowas herzustellen
muss ja echt Kleinarbeit gewesen sein...“


HERCULES:
„Ja, erstaunlich wie viel Fans für ein Kostüm der Helden ausgeben können.
Aber hast du gemerkt, auch die ganzen Fanartikel, die Abbildungen der Schriftrollen,
die Nachbildungen der Waffen, die Bilder der beiden... Ging alles in kurzer Zeit weg
trotz dass es unverschämt teuer ist. “


IOLAUS:
(grinst)
„Die beiden sind eben beliebt.“
(kurze Pause)
„Also, sind wir uns einig? Die beiden letzten da?“

Hercules nickt und bittet um Ruhe.

HERCULES:



„Mein Freund und ich erklären hiermit...“
(Pause, die Zuschauer blicken ihn erwartungsvoll an;
Mirte und Erin zappeln ungeduldig)
„...unsere letzten beiden Teilnehmerinnen zu den Siegerinnen des Wettbewerbes!“
(Minya flüstert ihm etwas zu)
„Mirte und Erin!“

Franatischer Applaus. Mirte und Erin strahlen vor Stolz. Minya blickt ein wenig neidisch-mürrisch drein, aber klatscht ebenfalls.

HERCULES:
„Tretet bitte vor, damit wir euch den Preis überreichen können:
Ein... äh...“

Er stockt und runzelt verwundert die Stirn: Aphrodite ist auf einmal neben den beiden Frauen aufgetaucht.

HERCULES:
„Das ultimative Xena-Kartenspiel in limitierter Edition! - Ihr kriegt die erste Ausgabe!“

Es gibt wieder Applaus, wenn auch ein wenig zurückhaltender. Die neidischen Blicke sind nun nicht mehr zu übersehen.
Während Erin und Mirte strahlend den Siegerpreis entgegennehmen, schaut Aphrodite die beiden nachdenklich an. Dann wedelt sie mit der Hand und murmelt ein paar Worte während ein glänzender Staub über die beiden fällt. Hercules lässt seine Schwester nicht aus den Augen.

HERCULES:
(leise zu Iolaus)
„Sag mal, hast du eine Idee was meine Schwester da eigentlich macht?“

IOLAUS:
(schaut zu Erin und Mirte)
„Wer? Aphrodite? Wie, was, wo?“

HERCULES:
(nach kurzem Überraschungsmoment)
„Ach, ist schon gut.“

Er schaut wieder zu seiner Schwester, die ihn auf einmal zuzwinkert, zu einem Nebenraum hin deutet und dann so unbemerkt verschwindet wie sie gekommen war.

HERCULES:
„Moderiere du mal weiter, ich bin gleich wieder da.“

Iolaus schaut seinem Freund etwas überrascht nach, wendet sich dann jedoch fragend an Minya.

MINYA:
„Nach diesem spannenden Kostümwettbewerb, würden wir uns freuen, wenn die
beiden großen Helden, Hercules und Iolaus und Rede und Antwort stehen würden.“

Begeisterte Rufe.



MINYA:
„Ruhe!“
(kurzes Zögern)
„Allerdings möchte ich davor unseren Siegerinnen etwas fragen.“

Mirte und Erin, die sich wieder unter die Menge gemischt hatten, treten selbstbewusst vor.

MIRTE:
„Wir stehen doch gerne für Fragen offen.“

Erin grinst nur.

MINYA:
(neidischer Unterklang in der Stimme)
„Wie seid ihr eigentlich an diese Kostüme herangekommen!
Sie sind so... echtheitsgetreu! Ich habe mir ja schon mehrere Xenakostüme gemacht,
aber ein derart gutes habe ich nie hingekriegt.
Was ist euer Geheimnis?“


MIRTE:
(gespielte Bescheidenheit)
„Ach, das ist doch keine so große Sache gewesen...
Wir haben... wir haben nur...“

Sie stockt und ein verwirrter Ausdruck erscheint in ihrem Gesicht.

ERIN:
„Wir haben die Sachen doch einfach jemandem gestohlen.“

Einen Moment ist es vollkommen Still im Raum. Dann schnappt Erin nach Luft und legt sich eine Hand vor dem Mund, offensichtlich von ihren eigenen Worten überrumpelt.

MINYA:
(ungläubig)
„Was?!“

MIRTE:
„Ja, da waren diese zwei Tussis am Baden. Und sie haben die Kleider am Ufer gelassen.
Na, und dann haben wir uns die einfach geschnappt. Die passten uns doch sowieso besser.“

Auch sie macht jetzt große Augen und hebt sich eine Hand vor dem Mund.
Im Saal beginnt ein unruhiges Gemurmel.

MANN:



„Heißt das also, ihr habt den Wettbewerb mit gestohlenen Kostümen gewonnen?“

Erin nickt, zum eigenen Entsetzen.

Der Unmut der Zuschauer wächst rasch an. Buhrufe sind zu hören; Empörung macht sich breit.

FRAU:
„Diebinnen!“

Ähnliche Rufe folgen und manche der Zuschauer scheinen handgreiflich werden zu wollen. Vollkommen verängstigt schauen Mirte und Erin um sich, während der Kreis um sie immer enger wird.

HERCULES:
(den Raum wieder betretend; laut)
„Was ist denn hier los!“

MINYA:
(wütend)
„Sie haben betrogen!“

HERCULES:
„Tatsächlich? Na dann...“

Er macht den Anschein, als wolle er ruhig zu seinem Platz gehen und die beiden dem Zorn der anderen überlassen.

ERIN:
(mit piepsiger Stimme)
„Es tut uns leid! Bitte, hilf uns!“

HERCULES:
(gespielte Erstauntheit)



„Ich? Wieso sollte ich?“

Die beiden schauen reumütig drein, doch die Angst vor der drohenden Verprügelung steht ihnen auch immer noch ins Gesicht geschrieben.

MIRTE:
„Wir werden uns auch bei den Besitzerinnen entschuldigen.“

Hercules schaut sie skeptisch an.

HERCULES:
„Na schön, damit die Show weitergehen kann...
Aber... ihr braucht ein passenderes Outfit.“

Mit diesen Worten werden auf magische Weise Xenas und Gabrielles Kleider durch Leinsäcke ersetzt. Mirte und Erin quieken auf und die anderen lachen los. Vollkommen rot und verschämt begeben sich die beiden zum Ausgang hin.

MINYA:
(leise, verzweifelt)
„Das ist nun schon die was-weiss-ich-wievielte Störung!
Meine erste Xenaconvention! Jahrelange Vorbereitung! Alles für...“

Sie setzt sich hin und starrt trübsinnig vor sich hin. Iolaus und Hercules wechseln einen Blick.


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STRAßE NACH AMPHIPOLIS

SIMUT:
„Wir kommen zu spät...“

AUTOLYCUS:
„Hör schon auf, dich zu beklagen. Oder wolltest du etwa die Dame diesen
Wegelagerern überlassen?“

Er zwinkert Lila, die neben ihm schlendert, zu.

SIMUT:
„Natürlich nicht!“
(schenkt Lila das charmanteste Lächeln)
„Ich meine nur... ach, ich bin auf diese Convention gespannt. Und wir verpassen gerade
die Hälfte der Show.“

(kichert)
„Diese Minya muss ja ein totaler Wirbelwind sein. Und dann glauben die Leute
dort noch, Xena und Gabrielle seien tot...“


LILA:
(leise)



„Ich bin froh, dass ihr mir dieses Gerücht verneinen konntet.“

Simut wird wieder ernster.

AUTOLYCUS:
„Wenn wir noch lange Zeit mit reden vergeuden, kommen wir wirklich gerade mal am Ende
der Convention an. Es ist ja nicht so als ob...“

Die drei verschwinden plötzlich in einem Funkenregen.


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CYRENES TAVERNE, UNTERES STOCKWERK

HERCULES:
„Komm schon, Minya, wir kriegen das wieder hin, du wirst sehen.
Ich denke, es wäre am besten, wenn wir den Bardenwettbewerb jetzt etwas vorverlegen würden.
Ich meine, bei einem solchen Wettbewerb kann niemand betrügen und somit kann
eigentlich nichts schief laufen. Außerdem wird eine Geschichte wohl eine beruhigende
Wirkung auf das Publikum haben, nicht?“

Minya schaut ihn unsicher an, nicht dann aber langsam. Hercules lächelt ihr aufmunternd zu. Minya geht auf die Bühne.



MINYA:
„Ruhe!“
(es wird etwas ruhiger)
„Wir werden den Bardenwettbewerb ein wenig vorlegen.
Wer mag jetzt anfangen?“

Die Leute schauen sich an, offensichtlich etwas überrumpelt von der Ansage.

FRAU:
(etwas leise)
„Ich.“

Die Blicke der Zuschauer wenden sich zur Frau zu, die in den hinteren Reihen stand und nun langsam nach vorne geht. Sie ist als junge Gabrielle verkleidet, doch das Kostüm lässt bei weitem zu wünschen übrig. Die blonde Perücke ist eindeutig als solche erkennbar. Es ist klar, dass die blaue Bluse und der braune lange Rock die Bekleidung des Dorfmädchens Gabrielle darstellen sollen, doch das blau ist zu grünlich, das braun zu dunkel und die Muster auf dem Kleid stimmen überhaupt nicht mit dem Original. Alles in einem eine miserable Verkleidung.
Die Leute fangen an, miteinander zu tuscheln. Hercules und Iolaus runzeln die Stirn.

Auch Minya starrt die Frau skeptisch an. Doch dann seufzt sie resigniert, nickt der Frau zu und tritt beiseite, nachdem sie einen Stuhl auf die Bühne geschoben hat.
Die Frau setzt sich auf dem Stuhl. Es wird still im Raum.

ERZÄHLERIN:
„Ich erzähle von einer Kriegerin.
Eine Kriegerin, die bis zum Ende für das höhere Wohl kämpfte.
Eine Kriegerin, die nicht nur großen Mut, große Leidenschaft und große Kraft besaß
sondern auch die große Stärke, lieben zu können.
Ich erzähle von Xena, der Kriegerprinzessin.“

(kurze Pause)
„Und der Geschichte ihres Todes.“

Leises Gemurmel.

MANN:
(missmutig)
„Ach, bitte, nicht schon wieder eine dieser dummen erfundenen
wie-ist-Xena-gestorben-Geschichten...“

Einige scheinen mit ihr zu übereinstimmen.

HERCULES:
(tauscht selber einen unüberzeugten Blick mit Iolaus)
„Lasst sie doch Mal erzählen...“



ERZÄHLERIN:
(selbstsicher)
„Ich erzähle von den letzten Abenteuern der Kriegerprinzessin im fernen Land Japa.
Und von ihrer Gefährtin, der Kriegerbardin aus Poteidaia.
In diesem Land sollten sie gegen das Böse kämpfen. Und dank ihrer Freundschaft siegen...“

Das Gemurmel hat sich wieder gelegt und die Zuschauer blicken die Frau gespannt an...

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RÜCKBLENDE/Szenensequenzen [Am Ende Der Reise - A Friend In Need]


Einige Monate zuvor
Schiff in Richtung Japa


XENA:
(zu Gabrielle)
„Viele Jahre früher erzählte mir Borias von einem jungen Mädchen, welches von einem chinesischen Kriegsherrn entführt worden war... Sie war als Geisel genommen worden von einer mächtigen Insel - sogar noch mehr im Westen als Chin...“

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Xenas Erzählung, Jahre zuvor
Japa, Wälder


AKEMI:
„Ich sah, was du tatest um diesen Feigling Kao zu töten.“



XENA:
„Das ist ein wohlbehütetes Geheimnis.“

AKEMI:
„Ich würde mich überaus geehrt fühlen wenn du mir das lehren würdest.“

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Japa, bei Akemis Vater Yodoshi

Akemi wendet den Pinch zu Xenas Entsetzen bei ihrem Vater an.

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Japa, vor Yodoshis Haus

AKEMI:
„Nimm meine Asche und bring sie in den Familienschrein. In unser Haus in Higuchi.“

Xena köpft die junge Frau.

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Higuchi



Xena, die Urne mit Akemis Asche in der Hand, wird von den Stadtbewohnern bedrängt. Die Urne fällt auf dem Boden und zerbricht; die Asche wird verweht...

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Xena rastet aus, spuckt mit Hilfe des Alkoholgetränks und der brennenden Fackel Feuer. Die Stadtbewohner rennen panisch schreiend umher, die Häuser fangen Feuer.

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Vor einigen Monaten
Higuchi


HARUKATA:
„40'000 völlig unschuldige Menschen verglühten in den Flammen!“

KENJI:
„Akemi sagte, nachdem sie ihren Vater getötet hatte, sei Yodoshis Geist so voll des Bösen gewesen, dass ihn selbst die Unterwelt nicht eingelassen hat. Er wurde zu Yodoshi - der Seelenesser. Er hält die Seelen in sich gefangen“



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XENA:
„Ich muss das wieder in Ordnung bringen.“

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Wald

Xena kämpft gegen Morimotos Armee.

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Morimoto köpft sie.

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Berg Fuji

Xena als Geist besiegt Yodoshi.
Die Seelen werden befreit

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Beim Brunnen

XENA:
(zu Gabrielle)
„Wenn diese Seelen in den Zustand der Gnade entlassen werden sollen, muss man sie Rächen.
Ich muss tot bleiben...“





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