Kapitel 2: Fliegende Eier und kreischende Mädchen
- Aufblendung-

CYRENES TAVERNE, UNTEN IM VERKAUFSRAUM

Ares entschwindet in einem gleißenden Lichtstrahl.

APHRODITE:
(leicht schmollend)
„Männer...
Dabei habe ich doch eine wichtige Ankündigung zu machen...“

Minyas Augen funkeln. Sie kann ihren Blick kaum von der imposanten Erscheinung Aphrodites abwenden.

Fragende Blicke aus dem Publikum, lasten auf der Göttin der Liebe.


- Schnitt-

TAVERNE, ERSTE ETAGE, VIERTE TÜR LINKS

Zwei ältere Männer sitzen an einem Tisch und sprechen miteinander.

DRACO:
„Hast du alles verstanden?“

PUNTUS:
„Ja, klar, Mirte und Erin sind auf ihren Posten. Sie wissen zwar nicht warum, aber
für 100 Dinar, waren sie gerne bereit, ein paar rohe Eier zu werfen.“


DRACO:



„Ich werde nicht zulassen, dass diese Schwachköpfe, das Andenken meiner
geliebten Gabrielle in den Schmutz ziehen.“

Ein finsteres Lächeln umspielt die Mundwinkel des gealterten Kriegsherrn.
Noch immer, ist der Liebeszauber, mit dem ihm einst Aphrodites Enkelsohn Bliss belegt hat, ungebrochen.

DRACO:
„Wo steckt eigentlich dein missratener Bruder? Ich hoffe der Idiot vermasselt nicht alles.“


- Schnitt-

TAVERNE, ERSTE ETAGE, DRITTE TÜR LINKS

Als die beiden Heldinnen eintreten, herrscht bereits munteres Treiben in dem kleinen Raum. Einige Mädchen haben sich um einen Tisch versammelt und scheinen zu streiten.

MÄDCHEN 1:
„Pfoten weg, das ist meine Größe...“

MÄDCHEN 2:
(laut lachend)
„Da passt du doch niemals rein... schau dir doch mal dein Hinterteil an...“



MÄDCHEN 1:
(wütend)
„Ich habe wenigstens ein Hinterteil...“

XENA:
(schaut irritiert zu Gabrielle)
„Was geht denn da vor sich? Und was sind eigentlich Go-Go-Tänzer?“

Gabrielle drängelt sich zum Tisch durch. Dort liegen einige Kleidungsstücke. Sie nimmt eines und hält es sich an den Oberkörper.

GABRIELLE:
(zieht die Augenbrauen nach oben)
„Oh, oh...“

Xenas Blick ist nun nicht mehr irritiert sondern leicht panisch.

XENA:
„D-d-das zieh ich nicht an... Du glaubst doch nicht allen ernstes, dass ich mich in
dieses Ding da quetsche... da mache ich mich ja völlig lächerlich...“

Gabrielle sieht Xena von oben bis unten an. Ein Schmunzeln gleitet über ihren Mund.

GABRIELLE:
„Als Xena im Sack wirkst du überhaupt nicht lächerlich...“

XENA:
(zieht eine Augenbraue hoch)
„Das Ganze hier ist doch ein schlechter Witz...“
(flüstert zu Gabrielle)
„Schau dir doch die Mädchen an. Die sind doch hier alle Plemplem.“

Gabrielle schnappt sich ein paar Kostüme und wirft Xena einen Teil davon zu. Die anderen Mädchen haben bereits begonnen sich umzuziehen.

GABRIELLE:



„Na los... zieh schon an. Oder ist da jemand feige...?“

XENA:
„Das hat doch nichts mit Feigheit zu tun... na schön... ist ja gut.
Aber hör auf so zu grinsen!“

(brummelt vor sich hin)
„Mich kribbelt es in den Fingern.“
(sie sieht zu Gabrielle)
„Hast du schon mal das Gefühl gehabt, du musst jemanden verprügeln???“

Die Bardin verdreht die Augen.

GABRIELLE:
„Jetzt gerade überkommt es mich.“

XENA:
(brummelt genervt weiter)
„Ich tue es ja nicht... Ich kann mich ja beherrschen... Ich kann es... wirklich...“

Widerwillig begibt sich die Kriegerprinzessin hinter einen der Parawane. Die Bardin folgt ihr.


- Schnitt-

Es dauert nicht lange und Gabrielle tritt hinter dem Parawan hervor.

GABRIELLE:
„Na komm schon raus.“

XENA:
(hinter dem Parawan)
„Nein... Das ist völlig lächerlich und entwürdigend.“

GABRIELLE:
„Zier dich nicht... Stell dich doch nicht so an.“

Vorsichtig lugt Xena in den Raum.

Plötzlich ein Geräusch. Er kommt aus einem Schrank.
Es wird still im Raum. Xena begibt sich zum Schrank und öffnet die Tür. Ein Mann starrt sie an.

MÄDCHEN 1:
(laut rufend)



„Ein Spanner!!!“

Tumult bricht aus. Xena packt den Mann am Kragen und zieht ihn aus dem Schrank. Dann schleudert sie ihn in eine Ecke.

XENA:
(grinsend)
„Na endlich kommt mal Stimmung in die Bude... Wie ich DAS gebraucht habe...“


- Schnitt-

Währenddessen...

TAVERNE, VERKAUFSRAUM / BÜHNE

Die Zuschauer starren gebannt auf Aphrodite. Als Minya sich gefasst hat, wendet sie sich an die Göttin der Liebe.

MINYA:
(laut und überschwänglich)



„Einen Riesenapplaus bitte für... Die einzigartige, umwerfende... Aphrodite...“

Tosender Beifall. Als sich alles etwas beruhigt hat...

MINYA:
„Aphrodite... sag uns bitte, um was für eine Ankündigung handelt es sich?“

APHRODITE:
(räuspert sich; mit gewichtiger Miene)
„Also... es betrifft Xena und Gabrielle... Sie...“

Doch die Göttin wird unterbrochen: Laute Kampfgeräusche sind zu hören. Sie scheinen aus der ersten Etage zu kommen. Dann sieht man einige leicht bekleidete Mädchen, die schreiend die Treppe hinunter rennen und die Bühne stürmen.

APHRODITE:
„HEY!
So geht das aber nicht...“


MINYA:
(panisch)
„RUUUHEEE!!!“

MÄDCHEN 1:
„Da oben ist ein Kerl... Ein Spanner... Und ne verrückte...“

Noch immer sind von oben laute Kampfgeräusche zu vernehmen. Aphrodite sieht sich die Mädchen an und zieht einen Flunsch.

APHRODITE:
(beleidigt)



„Das ist MEIN Auftritt...
Und außerdem... Wieso haben die weniger an als ich???“

Plötzlich ein Schrei. Ein Mann fällt über das Treppengeländer und schlägt unsanft vor der Bühne auf. Aphrodite versucht sich Gehör zu verschaffen.

APHRODITE:
(laut)
„Hallo???
Xena und Gabrielle leben... Die Beiden sind putzmunter...“

Doch niemand nimmt mehr wahr, was die Göttin zu sagen hat. Es herrscht ein großes Durcheinander. Aus dem Publikum kommen laute Buhrufe.
Minya ist einem Nervenzusammenbruch nahe.

MINYA:
(verzweifelt)
„MEIN LEBENSWERK...“
(zu Aphrodite)
„LOS... mach was!!!“

Die Göttin will ihr gerade etwas erwidern, als eine Ladung rohe Eier sie am Kopf trifft. Die Göttin ist entsetzt.

APHRODITE:
„Meine Frisur! Meine ganze Schminke ist verlaufen...!
Also... nein... ich bin weg hier!“

Ein Lichtstrahl erhellt den Raum und Aphrodite ist verschwunden. Zurück bleibt eine völlig verstörte Minya, ein Haufen halbnackter Mädchen und ein Publikum das lauthals nach der Rückerstattung des Geldes für die Eintrittskarten verlangt.


- Schnitt-

OBERES STOCKWERK, ERSTE ETAGE, VIERTE TÜR LINKS

Die Tür wird aufgerissen.

Draco stürmt heraus, sein Kumpan folgt ihm.

DRACO:
(ruft nach unten)
„Das wird euch eine Lehre sein, die Ehre meiner geliebten Gabrielle in
den Schmutz zu ziehen!!!“

Plötzlich tippt ihn jemand von hinten auf die Schulter.

XENA:
„Kuckuck...“

Draco schaut sich um.

DRACO:



„Xena? Gabrielle???“

Mit einem Lächeln, gleitet er ohnmächtig zu Boden. Puntus rennt entsetzt die Treppe hinunter und verschwindet in der Menge.

GABRIELLE:
„So kenne ich den aber gar nicht.“

XENA:
(breit grinsend)
„Das liegt sicher an deiner umwerfenden Ausstrahlung, Gabrielle.“

Die beiden Freundinnen beobachten von oben, das Geschehen unten in der Taverne.


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TAVERNE, VERKAUFSRAUM / BÜHNE

Verärgertes Publikum, schreiende Mädchen.
Minya hat sich auf einen Stuhl niedergelassen und versinkt in Selbstmitleid.

Die Eingangstür wird aufgerissen. Hercules und Iolaus treten ein.

IOLAUS:



„Es ist doch immer das Gleiche. Kreischende Mädchen... wo immer ich auftauche...“

HERCULES:
(verdreht die Augen)
„Das ändert sich wohl nie... Alter Casanovus...“

Minya erblickt die beiden und sieht eine Chance, die Situation zu retten. Sie springt auf, hebt die Hände und ihre Stimme ertönt in schrillem Ton.

MINYA:
„RUUUHEEE!!!“

Alle Anwesenden erstarren für Sekunden in ihrer Position. Irritiert starren sie auf die mit weitaufgerissenen Augen zu allem bereit dastehende Minya.

Hercules und Iolaus betreten die Bühne.

Die Leute murmeln.

JUNGE FRAU:
„Das ist Hercules. Und... äh... Noch jemand...“

HERCULES:
„Nun beruhigt euch doch, Leute. Es ist alles in Ordnung.“

Er erhebt eine Faust in die Höhe.

HERCULES:
(laut anfeuernd)
„WOZU SIND WIR HIER???“

Stille.

HERCULES:



„Na kommt schon...
WOZU SIND WIR HIER???“


JUNGER MANN:
(zögernd)
„Wir wollen Spaß haben?“

IOLAUS:
(in ausgelassener Stimmung)
„Genau. Wir wollen Spaß haben und jetzt bitte ich um einen Riesenapplaus für
die Frau die das alles hier möglich gemacht hat...
MIINYAA!!!“

Allgemeiner Applaus und laute Rufe ertönen.

Minya verbeugt sich.


- Überblendung zu:-

OBERES STOCKWERK

XENA:
(grinsend)



„...und wieder mal hat Hercules die Welt gerettet.“

GABRIELLE:
(ebenfalls grinsend)
„Ja, er ist ein ganz großer Held.“


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UNTERES STOCKWERK

MINYA:
„Aufgrund dieser kleinen Unterbrechung, ziehen wir nun einen anderen
Programmpunkt vor. Ich möchte nun diejenigen auf die Bühne bitten, die
sich für den Kostümwettbewerb angemeldet haben.“

Applaus aus dem Publikum.

HERCULES:
„Mein alter Freund Iolaus und ich erklären uns bereit als Jury zu fungieren.“

IOLAUS:
(flüstert)
„Würdest du bitte nicht dauernd das Wort “alt" benutzen.“

Zunächst betritt ein Mann in der Verkleidung von Joxer die Bühne. Begleitet von Beifall, folgen eine Walküre, eine Gabrielle im Amazonenoutfit, eine Xena in römischer Toga, eine Aphrodite und ein Ares. Darauf folgen eine Reihe von Xenas und Gabrielles, mit Xena im normalen Lederoutfit und Gabrielle mit grünem Top und braunem Rock.
Zuletzt gesellen sich Erin und Mirte zu den anderen.


- Schnitt-

OBERES STOCKWERK

Xena traut ihren Augen nicht.

XENA:
„Na das darf doch wohl nicht wahr sein. Das sind doch unsere Sachen.“



GABRIELLE:
„Ja, du hast recht. Ich erkenne deutlich den kleinen Fleck auf meinem Oberteil
vom letzen Barbecue.“

Xena schäumt vor Wut. Gabrielle ahnt fürchterliches.

GABRIELLE:
„Oh, nein. Xena... bitte... tu es nicht.“

XENA:
„Was denn???“
GABRIELLE:
„Na das, was ich denke das du vorhast...“

XENA:
„Was habe ich denn vor???“

GABRIELLE:
„Na du wirst nun hinunter stürmen, den beiden Frauen die Kleider vom Leib reißen
und irgendjemanden verprügeln! Ich kenne doch diesen Gesichtsausdruck.“


XENA:
„Das hatte ich vor???“
(spielt die gekränkte)
„Aber Gabrielle! Wie kannst du nur denken, ich würde so etwas Unüberlegtes tun?“

Gabrielle zieht erstaunt beiden Augenbrauen nach oben.

GABRIELLE:
„Nicht? Oh... dann... entschuldige... ich...“

XENA:
(nach kurzer Überlegung)
„Ich dachte eigentlich daran, eine gute, alte Freundin zu uns zu bitten.“

Sie gehen in das Zimmer, in welchem sie sich umgezogen haben, zurück.

XENA:



„APHRODIIITEEE!!!“


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