Kapitel 3: ...kann's nur schief gehen - oder?
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WALDLICHTUNG -- TAG

Xena liegt komplett unter ihre Decke. Langsam zieht sie sich das Gesicht frei und lauscht. Weder ein Schleifen, noch ein quietschendes Polieren ist zu hören. Xena Oberkörper fliegt hoch. Ihr Blick fällt auf Gabrielle, die noch schläft.


XENA:
„Gabrielle??“
(keine Reaktion)
„Gabrielle!“

Xena wirft die Decke von sich und krabbelt auf den Knien hinüber zu Gabrielle. Dann rüttelt sie ihre Schulter. Immer noch keine Reaktion.

XENA:
(hysterisch)
„Gabrielle!!!“

Gabrielle reißt sich die Hände vors Gesicht.

GABRIELLE:
„Ah!! Xena! Was brüllst du denn so?“

Sie drückt sich die Schläfen.

GABRIELLE:
„Ah, dröhnt mir der Kopf!“

XENA:
(immer noch leicht hysterisch)
„Gabrielle?“

GABRIELLE:
„Oh!!! Xena! Als hätte man mir mit einer Keule... ächz... Ich hab' Durst.“

Xena drückt Gabrielle kräftig an sich und küsst mehrfach ihre Beule.


XENA:
„Ich hol' dir was zu trinken.“

Xena springt auf die Füße und rennt zu ihrem Nachtlager. Dort wühlt sie nach der Wasserflasche und stellt fest, dass sie leer ist. Ohne sich umzudrehen, ruft sie nach hinten:

XENA:
„Ich laufe schnell runter zum Bach und fülle die Wasserflaschen auf. Bleib' du ruhig
noch liegen. Ich bin sofort wieder zurück.“



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BACH

Xena füllt zwei Flaschen auf und sieht dabei zum Himmel.

XENA:
„Aphrodite! Danke! Das werde ich dir nie vergessen.“


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WALDLICHTUNG

Xena kommt langsam mit den beiden Wasserflaschen aus dem Wald. Seitlich baumeln die Verschlüsse herunter. Auf dem Baumstamm sitzt Gabrielle und reibt sich den Nacken. Ihr Blick fällt auf Xena, sie schenkt ihr ein Lächeln. Neben ihr sitzen - von Gabrielle unbeachtet - noch mehr von ihrer Sorte.

Xena fallen die Wasserflaschen aus den Händen - weitere Gabrielles folgen - Xena presst krampfhaft die Augen zusammen und reißt sie wieder auf; auf dem Boden tröpfeln die letzten Reste des Wassers ins Gras.

XENA:
„APHRODITE!!!“


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APHRODITES TEMPEL

Aphrodite steht vor dem Monitorbild, das jetzt mit einem Scherengitter versehen ist, Xena steht auf der Wiese, weiter hinten verharren 8 Gabrielles in ihrer Bewegung. Die Göttin wendet sich ab und zwei schwer bewaffnete Go-Go-Boys kreuzen ihre Lanzen vor dem Gitter.

APHRODITE:
(zu sich selbst)
„Xena wird mich umbringen.“

Im Hintergrund läuft das Monitorbild wieder, weitere Gabrielles nehmen auf dem Baumstamm Platz, wobei sie immer enger zusammenrücken, Xena lässt sich mit gekreuzten Knien ins Gras fallen, stützt einen Ellbogen auf den Oberschenkel und hält sich mit einer Hand die Stirn.


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WALDLICHTUNG

Nach einer Weile erhebt sich Gabrielle No. 1 vom Baumstamm und schlendert zu Xena, die wieder auf die Beine gefunden hat.



GABRIELLE:
„Xena?“

XENA:
(dreht ihren Kopf )
„Ja.“

GABRIELLE:
„Wenn wir rechtzeitig in Poteidaia sein wollen, sollten wir jetzt aufbrechen.“

Xena nickt unmerklich mit dem Kopf. Gabrielle No. 2 erhebt sich und kommt hinzu, die anderen folgen ihr.

GABRIELLE No. 2:
„Wenn wir rechtzeitig in Poteidaia sein wollen, sollten wir jetzt aufbrechen.“

GABRIELLE No. 3:
„Wenn wir rechtzeitig in Poteidaia sein wollen, sollten wir jetzt aufbrechen.“

GABRIELLE No. 4:
„Wenn wir rechtzeitig in Poteidaia sein wollen, sollten wir jetzt aufbrechen.“



GABRIELLE No. 5:
„Wenn...“

Xena lässt sich wieder auf den Boden fallen.


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WALDLICHTUNG

Xena sitzt immer noch auf dem Boden. Aphrodite hält gebührenden Sicherheitsabstand zu Xena und ruft ihr zu.

APHRODITE:
„Du musst versprechen, mir nichts zu tun!“

XENA:
(mit gepresster Stimme)
„Was ich dir antun könnte, ist nichts im Vergleich...“

APHRODITE:
„Versprich mir, dass du mir nichts tust.“


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APHRODITES TEMPEL

Xena sitzt nun an einem Schülerschreibtisch mit Klappdeckel, Tuschfass und Federkiel, während Aphrodite mit einem Zeigestab auf eine Tafel, die das Monitorbild verdeckt, deutet. Dort sind jetzt mehrere Seiten, die aus dem Götterhandbuch stammen, abwechselnd mit gezeichneten Kampfszenen und skizzierten Bildern von Gabrielle nebeneinander aufgereiht.

APHRODITE:
„Zuerst habe ich die einfache Erweckungsformel angewendet. Diese hat sich
huntertausendfach bewährt, es gab dabei noch nie - ich betone noch nie - irgendwelche
Probleme. Gabrielles eigentümliches Verhalten muss also auf etwas anderes
zurückzuführen sein.“

(Das nächste Bild - Gabrielle bei der Jagd - rutscht an die erste Position)


„Hier zeigen sich die ersten Symptome eines übersteigerten Nachahmungstriebes, der
nach einer erfolglosen Verdrängungsphase aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche
drängt und dort in Konkurrenz zu dem bisherigen Selbstkonzept getreten ist...“

(nächstes Bild - Kampfszene)
„...das nach dem jahrelangen Zusammensein mit dir in eine ausgeprägte
Aktualisierungstendenz ku...“

Xena wirft ihren Kopf auf die Tischplatte.


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ZUR GLEICHEN ZEIT AUF DER WALDLICHTUNG

Gabrielle No. 1 liegt mit dem Kopf an den Baumstamm gestützt und sonnt sich, alle anderen sitzen im Kreis auf der Wiese und flechten Kränze aus Gänseblümchen. Gabrielle No. x steht auf und drappiert einen davon in Argos Mähne. Argo tänzelt ein paar Schritte nach hinten, schüttelt dabei fortwährend mit dem Kopf, wird aber den Kranz nicht los und galoppiert schließlich wiehernd davon.



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AM BACH

Argo steht am Bachufer und trinkt. Im Wasser spiegelt sich ihr Kopf mit dem Gänseblümchenkranz. Aus der Ferne hört man Xena nach Argo rufen. Schließlich steht sie neben ihr.

XENA:
„Du ärmste“

Sie nestelt den Blumenkranz aus der Mähne und wirft ihn in Wasser.

XENA:
„was haben sie denn mit dir gemacht? Am liebsten würde ich auch weglaufen...“
(streichelt Argos bebende Nüstern)
„...Aphrodite ist total übergeschnappt ... und Gabrielle...“
(presst die Lippen zusammen)
„...komm. Wir müssen wieder zurück.“


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ZUR GLEICHEN ZEIT AUF DER WALDLICHTUNG

Ein paar Wegelagerer lungern im Gebüsch herum.

RÄUBER #1:
„Na, wenn das keine angenehme Überraschung ist. Die Kleine von neulich.“

RÄUBER #2:
„Und diesmal ist sogar für jeden eine eigene dabei.“

Er lässt ein dämliches Lachen hören.

Gabrielle #1 hebt den Kopf und schaut über die Baumstammkante zu dem Gebüsch, sie zieht ihre beiden Sais aus den Stiefeln und pirscht sich näher heran, die Räuber ziehen sich weiter ins Unterholz zurück und verteilen sich dort. Gabrielle rückt nach und beobachtet aufmerksam jeden Winkel. Dann steckt sie ihre Sais wieder in die Stiefel zurück und will gerade kehrt machen, als zwei der Räuber aus den Bäumen heraus anspringen und sie zu Boden werfen.


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XENA:
(kommt aus der anderen Richtung)
„Wir brechen auf!“


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Flaches Gelände. Die Sonne steht hoch am Himmel, am Horizont zeichnet sich die Silhouette von Xena zu Pferde und der ihr folgende Gabrielletross ab. - Xena ist ganz in Gedanken und merkt zunächst nicht, dass Aphrodite neben ihr reitet. Zum Schutz gegen die Sonne trägt sie einen breitkrempigen Hut.

APHRODITE:

„Ich hatte ja keine Ahnung, dass Gabrielles Persönlichkeit so vielschichtig ist...“

Xena zückt die Peitsche, Aphrodite gibt ihrem Pferd sofort die Sporen. In der einen Hand hält sie die Zügel, mit der anderen versucht sie krampfhaft den Hut auf dem Kopf zu halten. Xena verfolgt sie.

APHRODITE:
„...aber ich musste alle Facetten ihres Charakters extrahieren, um den dominant
gewordenen aggressiven Part zu isolieren und wieder in seine ursprüngliche...“


XENA:
„Bleib stehen ... du sollst stehen bleiben...“


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Flaches Gelände. Die Sonne steht hoch am Himmel, am Horizont zeichnet sich die Silhouette von Xena zu Pferde und der ihr folgende Gabrielletross ab. Ab und zu dreht sich Xena um. Einige der Gabrielles tuscheln untereinander.

GABRIELLE No. X:
„Xena! Wir haben Hunger, außerdem sind wir vom vielen Laufen müde, können wir
nicht eine Pause machen?“


XENA:
„Ganz in der Nähe ist ein See, dort können wir fischen.“


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AM SEE

Einige der Gabrielles plantschen übermütig im Wasser... andere liegen auf dem Steg und sonnen sich, zwei stehen mit Xena am Ufer und Angeln, der Rest pflückt Beeren.
Aphrodite im Badeanzug lässt sich von einem ihrer Go-Go-Boys einölen.

APHRODITE:
„Ah, so einen Tag am Strand, hätte ich mir schon längst mal gönnen sollen.“

Xena fährt herum.

APHRODITE:
„Aber eigentlich bin ich hier um dir etwas Wichtiges mitzuteilen...“

Vom Wasser dringen Hilferufe, Xena lässt ihre Angel fallen, springt in den See und schwimmt hinaus. Mit einer halb-ertrunkenen Gabrielle kommt sie zurück. Als sie sich über sie beugt, ruft schon wieder jemand um Hilfe. Sie springt erneut ins Wasser und kommt mit Gabrielle No. 2 zurück. Völlig außer Atem liegt sie zwischen den beiden auf dem Rücken.

APHRODITE:
(sitzt neben Gabrielle No.2 in der Hocke)
„Also ...was ich dir heute Mittag schon sagen wollte... ich kann sie nicht
mehr zusammenbringen.“


XENA:
(immer noch völlig außer Atem, richtet sich auf
keuchend)

„Was?!?“

APHRODITE:
(lugt jetzt seitlich hinter ihrem Go-Go-Boy hervor)
„Ja, ..., also ... ich glaube Gabrielle ist verschwunden!“


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