Kapitel 4: Haltet ihn auf
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ALEXANDRIA; BIBLIOTHEK

Potiphar klopft energisch gegen das Tor.

PHARAO:
„Bist du sicher, dass dies das Museion ist? Das Gebäude sieht so unbedeutend aus.
Keine standesgemäße Unterbringung.“



POTIPHAR:
„In unserer Situation haben wir nicht viele Möglichkeiten. Außerdem sind wir hier vor
weiteren Überfällen in Sicherheit.“

(klopft erneut)

Josca und Ben-Ha, die noch immer gemütlich beisammen sitzen, horchen auf.

JOSCA:
„Sie sind zurück.“

Potiphar setzt erneut zum Klopfen an, doch das Portal wird bereits geöffnet. Ben-Ha betrachtet die drei Gestalten stumm.

POTIPHAR:
„Der Träger der roten und weißen Krone hat den Stern der beiden Länder verlassen.“

Ben-Ha gibt umgehend den Weg nach innen frei.

Der Pharao bleibt stehen und nickt Ben-Ha zu, wird aber von Potiphar weitergedrängt. Ben-Ha lässt die Tür ins Schloss fallen und verriegelt sie sorgfältig.

Wortlos weist Ben-Ha mit dem Arm den Weg. Als Josca, sie erblickt, setzt er intuitiv zur rituellen Begrüßung an, aber Potiphar winkt ungeduldig ab.

POTIPHAR:
„Man hat es gewagt, den Erleuchteten anzugreifen. Ihr garantiert für seine Sicherheit.“

Josca drückt dem Hohepriester spontan seinen Wein in die Hand, was dieser dankbar annimmt.

BEN-HA:
„Ich werde ein paar Decken holen.“

POTIPHAR:
„Nein. Wir bleiben alle zusammen.“

Der Pharao, der bislang stumm und unbeteiligt wirkte, sieht sich staunend im hohen Lesesaal um. Er gibt ein paar unverständliche Laute von sich. Dann geht er auf ein Regal zu und zieht wahllos Schriftrollen heraus, die er nach kurzer Augenscheinnahme achtlos auf den Boden fallen lässt. Er wandert zum nächsten Regal und wiederholt diese Prozedur.

PHARAO:
(heult auf)
„Lügen!“
(zerrt weitere Rollen aus dem Regal, und wirft sie dann wütend von sich)
„Nur Lügen! Kein einziges Wort über mich.“

Potiphar ist sichtlich konsterniert, während der Hohepriester an die Seite des Pharaos eilt, der ihm eine geöffnete Rolle reicht.

PHARAO:
„Nirgends steht mein Name!“
(zerrt weitere Rollen aus dem Regal)
„Wo sind die Krüge? Ich will die Krüge sehen!“
(fixiert Potiphar)
„Du! Du hast ihn auslöschen lassen. “

BEN-HA:
(beschwichtigend)
„Die Archive befinden sich in einem anderen Raum.
Hier sind nur ausländische Werke untergebracht.“


POTIPHAR:
„Da hörst du's.“

PHARAO:
„Nirgends steht mein Name! Nicht ein einziges Mal!“
(springt zu einem Tisch, auf dem mehrere Kerzen stehen)
„Du lässt zu, dass man mich vergisst.“

POTIPHAR:
„Aber nein.“

PHARAO:
„Ihr alle, die ihr hier versammelt seid. Ihr habt euch verschworen.“
(greift nach den Kerzen und schleudert sie in das Regal)

JOSCA:
„Bei allen Göttern - 'altet ihn auf.“

Er zerrt die brennenden Rollen aus den Fächern und tritt sie mit den Füßen aus. Doch weiter oben lecken sich die ersten Flammen gierig durch das trockene Papier.

PHARAO:
„Ich bin vernichtet.“
(wirft weiter mit den Kerzen, Potiphar versucht ihm in den Arm zu fallen)

POTIPHAR:
„Bist du von Sinnen? Niemand hat dich vernichtet.“

PHARAO:
„Jetzt erkenne ich's. Das war von Anfang an dein Plan.“

Josca und Ben-Ha versuchen alles, um die Feuer, die an unterschiedlichen Stellen entfacht sind, zu löschen.


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AM UFER

Xena, Gopala und Gabrielle, triefend nass und reichlich außer Atem, ziehen sich an einem Seil die Uferböschung hoch. Es ist stockduster. Sie schauen sich orientierungslos um.

XENA:
„Reichlich finstere Gegend. Ich hoffe, du kennst dich aus.“

GOPALA:
„Allzu weit vom Hafen können wir nicht sein.“

GABRIELLE:
„Wir sollten uns aufteilen.“

XENA:
„Das denke ich auch, halten wir nach Markierungen Ausschau.“



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Nach einer Weile bewegt sich der kleine Trupp auf einer leidlich befestigten Straße.

XENA:
„Sie werden sich an markanten Punkten orientiert haben.
Wie dem Leuchtturm zum Beispiel.“


GOPALA:
„Das wäre zu abwegig, wenn sie wieder zum Hafen wollten.“

GABRIELLE:
„Das Museion.“

GOPALA:

„Da kenne ich einige Abkürzungen.“


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BIBLIOTHEK

Ben-Ha und Josca versuchen mit vereinten Kräften die sich immer weiter ausbreitenden Flammen zu ersticken, während sich Potiphar und der Pharao ein Handgemenge liefern.

JOSCA:
„So 'at es keinen Zweck. Wir brauchen Wasser. Vielleicht können wir verhindern,
dass es sich weiter ausbreitet. Sind noch Schreiber im Haus?“


BEN-HA:
„Nicht mehr so viele, wie sonst. Aber ich werde sie zusammenrufen und zur
Zisterne schicken.“



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Während Ben-Ha wie wild auf den Gong eintrommelt, reißt der Pharao eine Fackel aus der Wandhalterung und fuchtelt damit vor Potiphar, der versucht ihn von den Regalen abzudrängen. Ständig entstehen dadurch neue Brandherde.

Unterdessen sind Gopala, Xena und Gabrielle eingetroffen und hämmern gegen das Portal. Es vergeht einige Zeit, doch niemand öffnet. Xena saugt mehrfach Luft durch ihre Nase.

XENA:

„Hier brennt was.“

Gopala nimmt mehrfach Anlauf um die Tür mit seinem Körpergewicht aus den Angeln zu sprengen, jedoch ohne Erfolg.

XENA:
„Zum Nebeneingang.“

Als sie um die Ecke biegen, erblicken sie den brennenden Nebenflügel. Unablässig dröhnt der Gong. Lautes Stimmengewirr und aufgeregte Zurufe.

GABRILLE:
(entsetzt)
„Oh, nein!.“

Die Seitentür widersteht Gopalas Angriff schon beim ersten Anlauf nicht und die drei gelangen direkt in den Innenhof, wo sich mittlerweile mehrere Versorgungsketten gebildet haben, die volle und leere Gefäße im Wechsel weiterreichen.

BEN-HA:
„Eine Katastrophe. Wir brauchen mehr Leute.“

XENA:
„Hilfe ist sicher unterwegs. Ist ja nicht mehr zu übersehen. Gabrielle, hol du...“
(sieht sich suchend um)
„Gabrielle!!!“

GOPALA:
„Ben-Ha, du musst das Hauptportal öffnen. Schnell.“

Ben-Ha nickt und eilt durch die Flammen, während Gopala die Menschenketten weiter auseinander zieht, um die Wasserversorgung zu beschleunigen.

XENA:
„Gibt es noch weitere Brunnen?“

Gopala zuckt mit den Schultern und schüttet eine Ladung Wasser in die Flammen. Xenas Blick schweift suchend über die Menschenmenge, wobei sie immer wieder nach Gabrielle ruft.

XENA:
„Gabrielle!!!“


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IM INNERN DER BIBLIOTHEK

Josca und der Hohepriester stolpern hustend und rußgeschwärzt mit Schriftrollen auf den Armen Gabrielle entgegen, die weiter in das Gebäude vordringen will. Josca versucht vergebens sie aufzuhalten und verliert dabei seine Ladung. Nach kurzem Zögern, ob er die Rollen aufheben soll, oder nicht folgt er Gabrielle, die sich immer wieder von ihm losreißt.

JOSCA:
„Riskiere nicht unnötig dein Leben. Du kannst 'ier nichts mehr ausrichten.“

GABRIELLE:

„Lass mich! Ich muss da rein.“

JOSCA:
„Gabrielle! Nicht!“

Beide kämpfen sich immer weiter durch die Flammen. Obwohl zahlreiche brennende Teile von Wand und Decke stürzen, dringt Gabrielle immer tiefer ein. Ein umstürzender Pfeiler hindert Josca, ihr weiter zu folgen. Er macht kehrt. Immer wieder hält er sich schützend den Arm vors Gesicht, als er unversehens gepackt wird.

XENA:
„Josca. Hast du Gabrielle gesehen?“

Er zeigt in das Flammenmeer hinter sich und bricht zusammen. Xena wirft ihn über ihre Schulter und schleppt ihn nach draußen. Überall brechen neue Brände aus und als plötzlich ein heftiger Windstoß kommt, werden die nur glimmenden Teile erneut entfacht.
Xena stürzt sofort wieder nach innen, Gopala folgt ihr.

XENA:
„Gabrielle !!“

GOPALA:

„Xena!!“

XENA:
„Gabrielle !!“


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IM LICHTERLOH BRENNENDEN LESESAAL


Potiphar versucht verzweifelt am Pharao vorbei aus den Flammen zu entkommen. Doch Regale und Wandtäfelung prasseln auf die beiden Kämpfenden nieder und begraben sie unter sich.
Als Gabrielle den Lesesaal erreicht hat sind ihre Todesschreie bereits verstummt.

Mit tränenüberströmten Gesicht fällt Gabrielle auf die Knie - das ganze Ausmaß der Zerstörung vor Augen. Wie in Trance klaubt sie umherliegende Schriftrollen, teils angesengt, teils unversehrt zusammen. Immer wieder wird sie wegen des beißenden Qualms von Hustenanfällen geschüttelt, während sich das Feuer immer weiter um sie herum ausbreitet.

GABRIELLE:
„Nein!!“

Dichte Rauchschwaden zeihen durch den Saal und lassen das Atmen zur Qual werden. Immer mehr Teile lösen sich von Decke und Wänden. Gabrielle kniet weiterhin keuchend auf dem Boden.


GABRIELLE:
„Oh. Nein!“

Xena und Gopala kämpfen sich durch das Chaos. Als Xena Gabrielle als erste erreicht packt sie fest zu und zieht ihre Freundin am Arm aus der unmittelbaren Gefahrenzone.

GOPALA:
„Xena! Du musst dich beeilen. Sonst kommen wir hier nicht mehr lebend raus.“

Währenddessen tritt er energisch alles Brennende zur Seite und bahnt eine schmale Gasse nach draußen, wobei er immer wieder, über die Schulter schaut, ob Xena ihm auch folgt.

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AM NÄCHSTEN TAG

Der Ort, an dem die stolze Bibliothek von Alexandria stand, ist ein einziges Trümmerfeld. Bis auf die Grundmauern ist alles niedergebrannt.
Schaulustige stehen vereinzelt oder in Gruppen zusammen. Gopala - völlig derangiert - kauert etwas abseits von Ben-Ha, der auf einem wackeligen Stuhl sitzt und mit leerem Blick vor sich hin starrt. Gabrielle hinter ihm, die Hände um die Stuhllehne gekrampft. Unablässig rinnen Tränen die Wangen hinab. Xena nähert sich nur zögerlich ihrer Freundin.

Gabrielle schüttelt in einem fort verzweifelt den Kopf. In ihrer Hilflosigkeit streicht Xena - die Lippen fest zusammengepresst - über ihren Rücken. Schließlich greift sie mit ihren Arm um Gabrielles Schulter und zieht sie an sich.




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Disclaimer

Die Bibliothek von Alexandria hat die Produktion dieser Folge nicht überlebt.