Kapitel 3: Aktion misslungen
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IN EINER STUBE

MOMUS:
„Dies ist das Brautkleid.“

Xena zieht es über.

MOMUS;
„Von der Größe her paßt es wie angegossen.“
(betrachtet sie)

„Das Gesicht wird von einem Schleier verhüllt, der auch bis nach der Zeremonie
nicht gelüftet wird.“

(stülpt ihr den Schleier über)

GABRIELLE:
(zupft hier und da an dem Kleid)
„Steht dir gut. Du solltest öfter heiraten.“

Xena bedenkt sie mit einem vernichtenden Blick und reicht Gabrielle den Schleier.

GABRIELLE:
„So eine Anprobe, muss ich unbedingt in unsere Rituale aufnehmen.“

XENA:
(knurrt)
„Deine Amazonen wären begeistert.“

Gabrielle rückt ihr das Bustier zurecht und steckt schmunzelnd einen Brustdolch dazu.

GABRIELLE:
„Ist ja nicht so, als ob du keine schärferen Waffen hättest. Aber sicher ist sicher.“


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ALEXANDRIA; HAFEN

Gopala in vollem Ornat begleitet von uniformierten Adjutanten positioniert sich vor der Barke des Pharao.

GOPALA:
„Im Namen des Pharao, fordert der Polizeipräfekt von Alexandria Zutritt zu diesem Schiff.“

Helle Aufregung unter den Matrosen an Bord. Ein emsiges Hin und Her. Aufgeregtes Stimmengewirr. Nach einer Weile beugt sich eine Gestalt über die Schiffswand. Gopala wedelt mit einem Papyrus.

MATROSE:

„Mein Herr lässt fragen, in welcher Angelegenheit.“

GOPALA:
„Dieser Liegeplatz ist ausschließlich für die Nilbarke des Pharao reserviert.
Andere Schiffe dürfen hier nicht anlegen.“

An Deck rumort es.
Schließlich erscheint Potiphar in der Verkleidung eines heruntergekommen Matrosen und legt persönlich den Landesteg aus.

MATROSE:
„Welch unverzeihlicher Irrtum. Natürlich war es keine Absicht. Bitte kommt an Bord.“

Gopala deutet zwei seiner Adjutanten an, voranzugehen, die sich dann rechts und links des Stegs aufstellen. Die anderen bleiben am Ufer. Der Polizeipräfekt lässt sich aufreizend lange Zeit, bewegt sich schließlich nach vorne und bleibt mitten auf der Strecke stehen. Er dreht sich um und winkt Potiphar, der unten am Ufer steht zu sich. Er starrt ihm quälend lange ins Gesicht, bis Potiphar dem bohrenden Blick nicht mehr standhält und sich abwendet.

GOPALA:
(schickt ihn zurück)
„Schon gut, ich dachte du wärst jemand, den wir suchen.“

(zum Matrosen)
„Warum empfängt mich der Kapitän nicht?“

MATROSE:
(stottert)
„Er - er ist un - unter Deck. Er - er ist... krank.“

GOPALA:
„Bedauerlich, aber ich will ihn trotzdem sprechen. Hol' ihn!“

Der Matrose weiß nicht, was er tun soll und bleibt untätig stehen.


GOPALA:
„Wird's bald? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!“

Der Matrose verschwindet unter Deck. Gopala schreitet ungeduldig auf und ab.


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Vom Wasser aus nähert sich ein Boot und steuert auf die Ankerkette zu. Behende hangelt sich Xena nach oben, während Gabrielle die Schiffswand im Auge behält. Aber niemand beobachtet sie. Alles an Bord, konzentriert sich auf das Spektakel an Deck.

Unterdessen nähert sich Momus mit zwei Trägern der Barke, wird aber von den Adjutanten des Präfekten aufgehalten. Schließlich gewährt man ihm Zugang an Bord. Potiphar will ihm folgen, wird jedoch daran gehindert. Gabrielle wartet weiterhin im Boot. Momus und seine Begleiter verschwinden ohne den Präfekten eines Blickes zu würdigen unter Deck.

MATROSE:
(mit dicken Schweißtropfen auf der Stirn.)
„Es tut mir leid, aber der Kapitän ist zu krank. Er kann nicht kommen.“

GOPALA:
(In voller Laustärke)
„Dann gehe ich halt zu ihm.“

Unten am Ufer wird Potiphar merklich unruhig.

Momus, der nur auf dieses Stichwort gewartet hat, kommt nach oben.

MOMUS:
(mit deutlicher Stimme)

„Verzeihung Herr, aber der Kapitän ist wirklich nicht in der Lage Euch zu sprechen.
Ich komme gerade aus der Stadt und habe Arznei besorgt. Ihm geht es momentan
sehr schlecht, aber ich...“


GOPALA:
(unterbricht ihn)
„Schon gut. Unter diesen Umständen, muss das Schiff nicht sofort umgesetzt werden...
aber sobald es dem Kapitän besser geht.“

Er wendet sich zum Gehen, während seine beiden Adjutanten vorauseilen. Bei Potiphar angelangt, lässt er es sich nicht nehmen, ihn nochmals ausgiebig zu mustern.

GOPALA:
„Ich könnte schwören, dass ich deine Visage kenne.“

Potiphars Gesichtsmuskel zucken merklich.



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HAFEN, BARKE DES PHARAOS, AN BORD

POTIPHAR:
„Dieser ungehobelte Kerl. Wie war sein Name?“


MOMUS:
„Gopala.“

POTIPHAR:
„Der wird sich noch an mich erinnern.“

MOMUS:
„Und sich wünschen, dir nie begegnet zu sein?“

POTIPHAR:
„Rache... Genießt man am besten kalt.“

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HAFEN, BARKE DES PHARAOS, AN BORD -- ABEND

POTIPHAR:
„Die Braut kann es kaum erwarten dir angetraut zu werden.“

PHARAO:
„Ich bin ebenfalls bereit.“

POTIPHAR:
„Es ist nur eine kleine bescheidene Zeremonie - In Memphis laufen schon alle
Vorbereitungen für das epochale Ereignis. Wenn wir dort ankommen, wird das Volk
dem jungen stolzen Paar huldigen.“



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HAFENGELÄNDE.

ADJUTANT:
„Alle Boote sind in Position. Das Schiff ist umzingelt.
Übers Wasser führt kein Weg an uns vorbei.“


GOPALA:
„Sind wir bereit zum entern?“

ADJUTANT:
„Ja.“

GOPALA:

„Dann nichts wie an Bord. Aber lautlos. Die Operation darf nicht gefährdet werden.
Sobald Xena mit dem Pharao auf Deck ist, schlagen wir zu. Keinen Moment früher.“


ADJUTANT:
„So wird es sein.“


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NILBARKE DES PHARAO

PHARAO:
„Du bist mir in jedem Moment meines Lebens unentbehrlich.“

POTIPHAR:
„Gehen wir.“


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HOHEPRIESTER:
„... die Verbindung der beiden Reiche möge zu einer Einheit führen, die den Völkern
Wohlstand und Frieden bringt. Re, der Spender allen Lebens und Thoth sein himmlischer
Wesir haben eure Verbindung gutgeheißen, auf das ich mich ihnen anschließe...“

Er legt Xenas Hände in die des Pharao und deutet ihnen an, ihm zu folgen.

Der Schiffsboden ist über und über mit Lotusblüten bestreut und gemessenen Schrittes schreitet der Hohepriester die Stufen empor. Oben erwarten ihn Potiphar und Momus.

HOHEPRIESTER:
(tritt zur Seite)
„...richtet nun euer Antlitz zum Himmel...“

In diesem Augenblick lassen sich Gopalas Männer von den beiden Schiffsmasten herab, während sich weitere von allen Seiten über die Reling schwingen. Potiphar benötigt nur Bruchteile eines Augenblicks, um die Situation zu erfassen. Er rammt seinen Ellenbogen in Xenas Seite, die sich dadurch nicht mehr auf den Beinen halten kann und Momus mit umreißt. Sie bleibt leicht benommen liegen.

Mit einem Satz ist er beim Hohepriester und befördert ihn mit einem Tritt die Stufen wieder hinunter, während er den Pharao am Arm mit sich reißt. Ein kurzer Griff und der Zugang nach unten ist blitzschnell mit einer Klappe versperrt.

An Deck rappeln sich Xena und Momus wieder auf und stürmen auf die verschlossene Luke zu. Hinter ihnen drängen Gopalas Mannen nach und verschaffen sich mit Äxten Zugang unter Deck, von wo aus die Matrosen nach oben drängen.


In diesem heillosen Durcheinander kämpft schließlich jeder gegen jeden. Gabrielle ist mittlerweile ebenfalls an Bord und wird in der Dunkelheit von Gopalas Leuten attackiert.

GABRIELLE:
„Xena!“

Bei dem Versuch sich zu verteidigen, wird sie beinahe von Gopala über Bord gedrängt.



GABRIELLE:
„Gopala! Nicht!“

Er zieht sein Schwert zurück, zuckt entschuldigend mit den Schultern und schlägt sich dann aufs Oberdeck durch.

GOPALA:
„Die Kämpfe einstellen!“

Vielstimmig wird sein Befehl weitergetragen, Während Gabrielle die Bordswand entlang läuft und die Wasseroberfläche absucht, schlägt Xena wütend gegen die Kabinenwand.

XENA:
„Verdammt!“

Gabrielle will ihr beruhigend die Hand auf den Arm legen, doch Xena entzieht sich ihr.

GOPALA:
„Macht Licht!“

Überall liegen Tote und Verwundete aus beiden Lagern. Gopala und Xena schauen sich jeden Einzelnen genau an. Sie entdecken Momus in seinem Blut und wenden sich frustriert ab.


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XENA:

„Das gibt es doch nicht. Wie vom Erdboden verschluckt.“

GOPALA:
„Übers Wasser können sie nicht entkommen sein.“

GABRIELLE:
„Wenn es in den Pyramiden geheime Kammern gibt, dann sicher auch hier.“

Sie klopfen alle Wände nach Hohlräumen ab.

GABRIELLE:
„Nichts.“

GOPALA:
„Ebenfalls.“

Im Schein der Fackeln schleppen sich die Verwundeten von Bord. Gopala - vom Kampf gezeichnet - steht mit Xena und Gabrielle zusammen.

GOPALA:
„Das ist gründlich in die Hose gegangen.“


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Xena sitzt auf einem Holzstapel, der Barke gegenüber. Neben ihr Gabrielle.

GABRIELLE:
„Was können wir noch tun?“

XENA:
(hebt die Hände an und zuckt mit den Schultern)
„Die, die noch leben, können nicht sprechen und die, die noch ihre Zunge haben sind
ausnahmslos tot.“

(schließt die Augen)

GABRIELLE:
(reckt den Kopf nach rechts und links)
„Wo steckt denn Gopala?“



XENA:
„Der durchsucht das Schiff.“

GABRIELLE:
„Er gibt einfach nicht auf.“

XENA:
„Wenn es wirklich noch was zu finden gibt, dann findet er es.“
(streicht Gabrielle zärtlich über die Wange)
„Dich hat er...“

Ein gellender Pfiff von Bord unterbricht sie. Oben steht Gopala und winkt sie hoch.

GOPALA:
„Ihr werdet staunen. Einfach genial. Der Konstrukteur versteht wahrlich sein Handwerk.“
(Er präsentiert ihnen ein Hohlraum im Schiffsboden.)
„Das ist eine Schleuse Sie hatten bestimmt ein paar Schilfrohre bereit liegen.“
(schaut sich um, kann aber keine mehr entdecken und beugt sich nieder)
„Von innen wird sie verriegelt, dann öffnet man die nächste Klappe...“
(sofort dringt Wasser ein)

XENA:
„Sie sind unter dem Schiff durchgetaucht. Wartet hier...“

Noch bevor sie zurückgehalten werden kann, springt sie. Gopala und Gabrielle starren gebannt auf die Wasseroberfläche, auf der sich immer mehr Blasen bilden.


Als sich beide beginnen Sorgen zu machen, taucht Xena heftig nach Luft schnappend wieder auf.

XENA:
(keuchend)
„Ein Seil... es führt wahrscheinlich am Ufer entlang. Wenn wir ihm folgen, haben wir die
Stelle, an der sie wieder an Land sind.“





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