Kapitel 2: Mordkomplott
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BIBLIOTHEK


JOSCA:
„Nicht zu fassen. Da werden Tausende von Schriftstücken unter den Augen von Ben-'a
dreist kopiert und die Originale außer Landes gebracht, um auf dubiosen Märkten an den
Meistbietenden verschachert zu werden. Der Schaden ist unermesslich.“


GABRIELLE:
„Du kannst Ben-Ha keinen Vorwurf machen. Selbst ich habe nicht bemerkt, dass um mich
herum keine Studenten, sondern ein ganze Bande von Fälschern sitzt. Erst nach Gopalas
Besuch, als ich all die Kopien auf den Tischen entdeckt habe...“


JOSCA:
„Es ist trotzdem empörend. Wobei ich dennoch froh bin, dass es wenigstens Abschriften gibt.
Ob Original oder Kopie. Wichtig ist, dass diese Werke weiter'in existieren.“


GABRIELLE:
„Wirst du jetzt Turs Stelle einnehmen?“

JOSCA:
„Und fröhlich Kopien machen lassen? - Aber sicher.“
(schmunzelt)

GABRIELLE:

„Weiß man denn schon, was es mit unserer Entdeckung auf sich hat?“

JOSCA:
„Soviel ich gehört habe, sollte sie nach Rom gebracht werden, um mit ihrer 'ilfe
Ansprüche auf Territorien in der gesamten bekannten 'emisphäre zu erheben. Das
Imperium wäre dann bis ins Unendliche expandiert.“


GABRIELLE:
„Eine Welt voller Römer - Xena wäre ausgeflippt.“


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WENIG SPÄTER

GABRIELLE:
„Josca, du hast mir von dem System, den Verlauf der Zeit zu messen erzählt. Wie macht
man das genau?“


JOSCA:
„Da gibt es viele Methoden. Aber unsere verdanken wir den Ge'eimnissen des Nils.“

GABRIELLE:
„Des Nils?“

JOSCA:
„Vor tausenden von Jahren entdeckten die ägyptischen Urväter, dass der Fluß zu
bestimmten Zeiten mehr Wasser führt als üblich, nämlich dann, wenn sich Sothis - ihr
nennt ihn Sirius - ...“


GABRIELLE:
„Der Hundsstern.“

JOSCA:
„'undsstern? So, so... also, wenn er sich am 'immel zeigt. Zu diesem Zeitpunkt beginnt das
ägyptische Jahr. Bei euch und bei den Römern ist es ungefähr die Mitte des Jahres.“




GABRIELLE:
„Die Sommersonnenwende.“

JOSCA:
„Rechts und links des Nils ist das Land sehr fruchtbar. Nachdem die Zeit der
Überschwemmungen vorbei ist, wird mit der Aussaat begonnen und danach die
Ernte eingebracht. Dies alles geschieht in einem immerwährenden Kreislauf.“


GABRIELLE:
„Das entspricht unseren Jahreszeiten.“

JOSCA:
„In etwa, nur mit dem Unterschied, dass wir nur drei haben, statt vier.“
(zeichnet einen Kreis auf ein Stück Papyrus und teilt ihn in drei gleiche Drittel)
„Jeder dieser drei Abschnitte...“
(malt in jedes der Teilstücke die entsprechende Hieroglyphe für Überschwemmung, Aussaat und Ernte)



„...lässt sich nochmals aufteilen. Und zwar in vier Mondzeiten...“
(setzt in jedes Drittel nochmals drei Teilstriche)
„...zu 30 Tagen.“

GABRIELLE:

„Überschwemmung von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Kein Wunder, dass die Bauern
während dieser Zeit für andere Arbeiten verfügbar waren.“


JOSCA:
„Sicher eine, wenn nicht die einzige Erklärung wie die Pyramiden zustande kamen.“
(umschreibt mit einer Geste den Kreis)
„Das ist fast ein Sonnenjahr, aber es fehlen noch die fünf 'überschüssigen Tage'.“

GABRIELLE:
„Dann hat Caesar seinen Kalender auf die Erkenntnisse der Ägypter gestützt! Und
mir hat er tatsächlich weisgemacht, er wäre von alleine darauf gekommen.“

Ben-Ha gesellt sich hinzu. Aus dem Hintergrund nähert sich Xena.

BEN-HA:
„Gabrielle, wie schön dich hier zu sehen. Es freut mich, dass es dir wieder gut geht.“

GABRIELLE:
„Ja.“
(scherzt)
„Ich werde auf Schiffen immer seekrank. Aber sobald ich festen Boden unter den Füßen habe...“

XENA:
„... ist sie so lebendig wie ein Fisch im Wasser.“
(strahlt ihre Freundin an)

(zu Ben-Ha)
„Gopala wartet auf dich.“
(zu Gabrielle)
„Ich bin gleich wieder da.“


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GABRIELLE:

„Aber Caesars Kalender beruht auf 366 Tagen.“

JOSCA:
„Ja, er 'at noch einen weiteren Tag zur Regulierung der Zeitdifferenz eingeführt. Nur ist
dadurch das römische Jahr länger als das ägyptische geworden.“


GABRIELLE:
„Wieviel länger.“

JOSCA:
„Nicht so viel. Unsere Astronomen 'aben für das Sonnenjahr einen Zeitraum von
365 Tagen berechnet. Dadurch verschiebt es sich jedoch schon nach vier Jahren um
einen ganzen Tag, nach 120 Jahren sogar um einen Monat.“


GABRIELLE:
„Dann dauert es sehr lange, bis die Verschiebung wieder an ihren Anfang geht.“

JOSCA:
„Genau 1461 Jahre.“

GABRIELLE:
„Einleuchtend, dass der ägyptische Kalender nur in einem solchen Jahr eingeführt
worden sein kann.“

(überlegt und zieht dabei die Stirn kraus)
„Dann ist er sicher viel älter, als die Pyramiden, die selbst mindestens über 2900 Jahre
alt sein müssen. Josca?“


JOSCA:
„Ja..“

GABRIELLE:

„Wenn man ungefähr ausrechen kann, wie alt der ägyptische Kalender schon ist, lässt sich
doch auch ermitteln, an welchem Ort der Kalender entstand, oder nicht?“


JOSCA:
„Das sollte möglich sein; nur, mit den Mitteln, die uns jetzt zur Verfügung stehen,
können wir das nicht.“


GABRIELLE:
„Ich bin sicher, dass die Methode dazu in irgendeiner Schriftrolle in dieser Bibliothek“
(sie schaut sich zum ersten Mal richtig ehrfürchtig um)
„aufgezeichnet ist. Und eines Tages wird sie bestimmt jemand entdecken.“

Während dieser Worte kehrt Xena zurück.

XENA:
„Bestimmt. - Ihr wart beide so in euer Gespräch vertieft, dass ich nicht stören wollte.“

GABRIELLE:
„Wohin ging Ben-Ha?“

XENA:
„Zu Gopala - ein gutes Wort für mich einlegen.“

JOSCA:
„Er wollte sie nämlich verhaften.“

Gopala - mit Ben-Ha im Schlepptau - tritt ein.

GOPALA:
„Das will ich immer noch.“

Xena rollt mit den Augen.



GOPALA:
„Aber zuvor benötige ich deine Hilfe.“


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BEN-HAS ARBEITSZIMMER

GOPALA:
(in wichtigem Tonfall)
„Aus gut unterrichteten Kreisen, habe ich erfahren, dass 'der Stern der beiden Länder',
also die Nilbarke des Pharaos, im Hafen von Alexandria vor Anker liegt.“

Xena schenkt ihm einen ungläubigen Blick.

GOPALA:
„Also weniger die Nilbarke, sondern ein unauffälliger Lastkahn, der den Herrscher
und den Kommandant seiner Leibgarde, Potiphar - mehr oder minder - inkognito
an Bord hat.“


XENA:
„Also doch. Es ist wahr.“



GOPALA:
„Ben-Ha hat mir gerade offenbart, dass gegen den Pharao ein Mordkomplott geplant
sein soll.“


GABRIELLE:
„Was?“

BEN-HA:
„Die Information stammt von einem Verwandten unseres Bibliothekpersonals,
der zum unmittelbaren Gefolge des Pharaos gehört.“

(Die anderen schauen ihn erwartungsvoll an - er schüttelt den Kopf.)
„Keine weiteren Details, ich habe höchste Diskretion zugesichert. Auf jeden Fall hat
Potiphar dem Pharao eingeredet, dass er zur Stärkung seiner Dynastie unbedingt
eine Amazone heiraten müsse. Leicht beeinflussbar wie er ist, hat er daraufhin seiner
bisherigen Braut - Serapha die Tochter des Königs vom Zweistromland - den
Laufpass gegeben.“

Gabrielle schaut verwirrt in die Runde.

BEN-HA:
„Am Hochzeitstag will Potiphar den Pharao beseitigen lassen und die Tat der Amazone
anlasten, die natürlich umgehend hingerichtet wird.“


GOPALA:
„Weil es keinen rechtmäßigen Thronfolger gibt, würde bis zur Wahl eines neuen Pharaos
die Regentschaft an Potiphar - der schließlich sein erster Vertrauter und somit Stellvertreter
ist - fallen. Undenkbar, dass er sie je wieder aus den Händen gäbe.“


XENA:
„Aber er kann doch gar keine Amazone vorweisen, Gabrielle ist...“



BEN-HA:
„An ihr war er nie interessiert, er hat irgendein armes Geschöpf von der Straße weg
entführen lassen.“


XENA:
„Und wo befindet sich Serapha jetzt?“

GOPALA:
„In Sicherheit. Potiphar lässt jedoch überall nach ihr suchen, denn es darf nicht an die
Öffentlichkeit dringen, dass ihr Platz von einer anderen eingenommen wird.“


XENA:
„Er wird nicht riskieren, dass eine der beiden Frauen am Leben bleibt.“

GOPALA:
„Ja, Serapha würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um das schändliche Verhalten
des Pharao zu offenbaren und in der Folge wäre es natürlich vorbei mit den guten
Beziehungen zur Nachbarschaft.“


GABRIELLE:
„Das bedeutet Krieg.“

Gopala nickt zustimmend.

XENA:

„Wir müssen also die Hochzeit verhindern, trotzdem dafür sorgen, dass es zur Trauung
kommt und gleichzeitig Potiphar das Handwerk legen.“


GABRIELLE:
„Ich bin dabei.“


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