Kapitel 3: Einsam und verlassen unter vielen
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RHODOS

Inzwischen sitzt Aphrodite, für alle unsichtbar, auf einem hohen Podest und beobachtet das Geschehen. Ihr ist klargemacht worden, dass sie nicht direkt in das Geschehen eingreifen dürfe. Am liebsten hätte sie den Pöbel mit einem Schnipp davon abgehalten auf Gabrielle loszugehen.

Gabrielle/Sven wiederum hat immer noch damit zu tun, auszuweichen. Hierbei gerät sie/er einen Schritt zu weit nach vorne und stürzt direkt vor die Menge. Das beobachtet Aphrodite, die schon die ganze Zeit beim überlegen ist, was sie tun kann ohne die auferlegten Regeln zu verletzen. Als sie sieht wie Gabrielle/Sven hinunterfällt, kommt ihr spontan ein Geistesblitz. Sie lacht in ihrer unvergleichbaren Art und Weise und murmelt vor sich hin.

APHRODITE:
„Auch wenn ich den Koloss nicht selber retten kann... Niemand was davon erwähnt,
dass ich Gabrielle nicht helfen dürfe.“

Ja, darauf ist sie schon immer sehr stolz gewesen, auf ihre Ideen und Einfälle. Sie setzt Gabrielle/Sven kurz bevor er den Boden erreicht sanft und unauffällig auf den Boden.

Dieser bemerkt das nicht gleich, da er den Aufschlag erwartet, der jedoch ausbleibt. Noch etwas verdutzt öffnet er die vor Angst geschlossenen Augen und sieht sich der ganzen Meute gegenüber. Alle starren sie mit grimmigem, aber auch ängstlichem Blick an.

GABRIELLE/SVEN:
(verwundert und perplex)
„Oh oh, kann mal jemand Werbung machen?“

MANN:
„Ergreift sie, die da ist Schuld an allem.“

Nun geht es ihr/ihm an den Kragen. Er sieht schon sein letztes Stündlein schlagen. Aber in aller Verzweiflung ruft er so laut er kann:

GABRIELLE/SVEN:
(mit beschwichtigend erhobenen Händen)
„Haaalt... Stopp...
Können wir das nicht in Ruhe bei einem Krug köstlichen Wein ausdiskutieren?
Ich meine, wir...“

(mit leiser werdendem Ton)
„...könnten...“

Aber zu mehr kommt er nicht, da die Meute sich anscheinend wieder in Bewegung setzen will, um ihm/ihr ans Fell zu gehen. Verlegen lächelnd steht er/sie da, die Todesangst im Nacken.


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RHODOS

Hätte er doch nur sein Handy nicht im Hafenbecken verloren. Vielleicht hätte ihm das Blitzlicht helfen können, die Menge in Schach zu halten, aber es ist nicht mehr da.

GABRIELLE/SVEN:
(mit dem Mut der Verzweiflung)
„In Ordnung... Ich habe es im Guten versucht, aber ihr wolltet nicht hören. Das was
jetzt kommt, habt ihr euch selber zu zuschreiben. Wenn ihr glaubt mich einfach so zu
bekommen, dann irrt ihr euch mächtig.“

Mit diesen Worten bückt er sich leicht, ohne die Gegner aus den Augen zu lassen. Seine Hände gehen an die Stiefel und bekommen die Sais zu fassen. Mit einem Ruck zieht Gabrielle/Sven diese aus den Halterungen und stellt sich in Abwehrhaltung, ganz so wie er es aus der Serie kennt. Einer der Männer kommt mit gezogenem Schwert auf sie/ihn zu, während die anderen noch unschlüssig und verwundert herumstehen.


MANN:
„Und was willst du gegen uns hier ausrichten, kleine Lady? Du hast ein ganz schön großes
Mundwerk, das ich dir gleich stopfen werde. Dich vernasche ich zum Frühstück.“

Er stellt sich großspurig vor Gabrielle hin.
Wie sie schon immer dieses Machogehabe hasste. Es war ihr schon immer zuwider. Es ist einfach nur ekelhaft.

GABRIELLE/SVEN:
(herausfordernd)
„Na, dann wünsche ich dir einen guten Appetit, aber verschluck dich nicht dabei.“

Sie lacht höhnisch.
Der Mann kocht schon beinahe vor Zorn und will auf Gabrielle/Sven losgehen. Aber dies ist wieder ein vorhersehbares Manöver, das sogar er noch zu erkennen vermag, da alle Filmbösewichte diesen Fehler machen.
Er dreht sich blitzschnell um, und will ihm ausweichen. Was jedoch nicht mit derselben Eleganz gelingt wie man es aus der Serie kennt. Mitten in der Drehung, entgleitet ihm wegen dem Angstschweiß in den Händen, eine der Saigabeln und fliegt in hohem Bogen aus der Hand. Die Waffe trifft das Baugerüst über ihm und bringt es zu Fall.

Dieses begräbt mit einem mächtigen Gepolter Gabrielles Gegner ohne sie selbst zu treffen.

Nur Zentimeter um ihn herum, kommen die Teile zum erliegen. Er schaut auf den Boden und sieht, dass der Mann noch atmet. Sven ist erleichtert, denn er hätte nicht gewusst, wie er das seelisch verkraftet hätte, einen Menschen töten zu müssen. Nein das will er mit Sicherheit niemals erfahren. Er hebt das Schwert des Mannes auf, das am Boden liegt, wischt dieses am Rock ab und legt es ihm auf den Bauch.

GABRIELLE/SVEN:
„Hier bitte, das ist wohl deines.“

Und schaut gebannt auf die Meute, die noch immer fassungslos und verdutzt um sie herum steht. Aber die können jeden Augenblick wieder auf sie zustürmen.

Währenddessen beobachtet Aphrodite das Geschehen. Sie macht sich bereit, Gabrielle etwas unter die Arme zu greifen.

Mit einem Mal ertönt von weiter hinten eine laute und fordernde Stimme.

MANN:
„Worauf wartet ihr, los greift sie euch oder habt ihr Angst vor so einer kleinen Tussi?
Ergreift...“

Mehr ist aber nicht zu hören, da diese Stimme mit einmal verstummt, was sich Gabrielle/Sven zunächst nicht erklären kann. Doch da durchfährt ein ihm wohl vertrauter Schrei die Stille.
Xenas Kriegsschrei.

Tatsächlich, es ist Xena, die sich mit ihren Saltos über die Menge hinweg zu Gabrielle vorschwingt. Sie kommt direkt vor Gabrielle zum stehen und baut sich neben ihr auf.


XENA:
(zu Gabrielle)
„Wo bei allen Göttern hast du dich nur wieder herum getrieben?“
(mit ironischem Unterton)
„Und ich such mir hier einen ab um dich zu finden. Was hast du nur wieder angestellt?
Nein, sag lieber nichts, ich möchte es nicht wissen.“

(zur Menge)
„Also, ihr wollt die Kleine hier haben? Tut mir leid, Freunde, aber wir sind nur im
Zweierpack zu bekommen. Na, kommt und holt uns ihr Feiglinge!“

Durch Xenas Auftauchen, sind viele der Angreifer nun doch unsicher. Klar erkennen sie die Kriegerprinzessin, und einige beginnen den Rückzug. Aber es gibt auch etliche Unverbesserliche, die sich formieren um auf die beiden loszugehen.

XENA:
(zu Gabrielle gewandt)

„So meine Liebe, es geht los. Ich hoffe, du bist bereit?“

GABRIELLE/SVEN:
„Bereit? Ich habe da eine bessere Idee. Wenn ich so diese Übermacht sehe, dann denke
ich, wäre doch ein taktischer Rückzug der etwas klügere Zug, oder? Damit rechnen
die bestimmt nicht.“

Xena schaut verdutzt zu Gabrielle. Sie hebt ihre Hand und spricht in die Menge.

XENA:
„Einen Moment bitte, wartet eine Sekunde, ja?“

Sie lässt ihr Schwert sinken und dreht sich zu Gabrielle, die unter dem Blick von Xena noch kleiner zu werden scheint.

XENA:
(zu Gabrielle)
„Ich hoffe, ich habe mich da gerade verhört. Ist das dein Ernst?“

Sie stemmt die Hände in ihre Hüfte. Gabrielle sieht sie wie ein verwundetes Rehkitz an.

GABRIELLE/SVEN:
(leicht unsicher)

„Aber Xena, denk doch mal nach. Natürlich können wir mit dieser Menge hier fertig
werden, aber was könnte alles dabei passieren? Wollen wir zu Mördern werden für etwas,
das sich nicht lohnt? Sollen Unschuldige dabei zu Schaden kommen? Die Armee ist
bestimmt schon auf dem Weg hierher und wird das regeln. Und hinter der Hafenmauer
steht ein Schiff das wir benutzen können... Komm, denk mal nach, bitte.“

In diesem Augenblick stürmen fünf schwerbewaffnete Männer auf Xena und Gabrielle zu, um die Beiden anzugreifen. Sofort ist Xena wieder aus ihren Überlegungen gerissen, wobei sie Gabrielles Argument im ersten Moment nicht versteht, aber ihr dann doch der Gedanke kommt, dass sie vielleicht gar nicht so Unrecht hat. Sie wehrt sich und schlägt die ersten beiden Angreifer mit einem heftigen Hieb zu Boden, so dass diese bewusstlos liegen blieben. Gabrielle/Sven wird ebenfalls von zweien von hinten angegriffen. Er weiß nicht wieso oder weshalb, aber er dreht sich reflexartig um und schlägt beiden mit einer schnellen Drehung die Sais um die Ohren, so dass auch diese zu Boden gehen.
Nun beschließt wohl auch der Rest der Meute, die beiden anzugreifen. Diese wehren sich ihrer Haut. Beinahe wie in Trance verteidigt sich Sven/Gabrielle obwohl er ja im Grunde keine Ahnung von der Sache hat.

XENA:
(hinter Gabrielle herrufend)
„Ich glaube... Du hast recht... Ich bin für Plan G.“

Gabrielle/Sven versteht die Andeutung. Also ist Xena doch noch vernünftig geworden. Schnell versuchen sie zum Koloss zu gelangen, ohne dass es wie Flucht aussieht. Es wird immer enger, denn die Angreifer stürmen nun allesamt nach vorne, was aber auch den Effekt hat, dass sie sich gegenseitig auf dem engen Kai behindern. So kommen nicht alle auf einen Schlag nach vorne.

Neben Aphrodite taucht mit einem Mal Ares auf und lässt sich neben ihr nieder. Aphrodite schaut ihn etwas argwöhnisch an, ist aber insgeheim froh, dass er auftaucht, da sie selber diese ständige Kämpferei hasst.

APHRODITE:
„Schön, dass du doch noch kommst. Ich glaube, unsere liebe Gabrielle hat Probleme.
Kannst du ihr nicht etwas unter die Arme greifen? Ich verstehe doch nicht viel von
diesem schreeecklichen Kriegszeugs.“


ARES:
„Hallo Schwesterherz... Sicher werde ich unserer Gabrielle etwas helfen, aber nur soweit,
dass sich die da oben nicht beschweren können.“


Er sieht, wie Gabrielle/Sven sich da unten abmüht, doch noch mit heiler Haut aus dieser Lage heraus zu kommen. Da er weiß, dass er sich nicht wirklich verteidigen kann, lenkt er mit seiner Macht die Hand von Gabrielle/Sven und ihrer Bewegungen, so dass sie rechtzeitig ausweichen und reagieren kann. Auch lösen sich wie ganz zufällig einige Steine aus der Kaimauer, so dass wieder einige Angreifer ins Wasser fallen, und somit keine Gefahr mehr sind. Würden ihm nicht die Schicksalsgöttinnen im Nacken sitzen, und müssten die beiden dort unten nicht seinen Fehler ausbügeln, hätte sich Ares mit Sicherheit köstlich amüsiert. Aber Gabrielle/Sven scheint immer noch diesen Koloss zu schützen, was nicht sein sollte. Direkt darf er nicht eingreifen, und so beobachtet er weiter und geht Gabrielle/Sven schützend zur *Hand*.

Xena und Gabrielle sind beinahe schon beim Eingang angekommen, um darin zu verschwinden, als Gabrielle versucht die Türe zu öffnen. Aber anscheinend ist diese verklemmt, durch die Bearbeitung der Angreifer, die vorhin versuchten, sie aufzubrechen. Panik überkommt sie, in Anbetracht, dass der geplante Fluchtweg versperrt scheint. Xena bemerkt dies und versucht die Meute auf Distanz zu halten. Gabrielle nimmt ihre Sais und versucht die versperrte Türe aufzubrechen, was aber nicht gelingt.

GABRIELLE/SVEN:
„Xena... dein Chakram, schnell!!! Die Türe klemmt!“

Xena hört den Ruf, nimmt ihr Chakram und schleudert es gegen die Scharniere der Türe.

Mit einem metallischem krachen, fliegt dieses auseinander und gibt den Weg frei. Xena schlägt noch ein paar Angreifer nieder, bevor sie mit Gabrielle im Inneren verschwindet. Beide stemmen die Türe wieder zu und versuchen diese zu verriegeln. Schwere Holzbalken zum verbarrikadieren der Tür liegen noch herum, jedoch nichts womit man diese sich befestigen könnte. Es fehlen Eisenstangen, die man in dem Boden rammen kann, sonst ist keine Möglichkeit vorhanden. Xena stemmt sich so gut sie kann mit aller Kraft gegen die Tür, so dass die Meute nicht gleich eindringen kann.

XENA:
(hektisch und fordernd zu Gabrielle)
„Gabrielle... schnell, wir brauchen etwas um die Türe zu verriegeln, sonst sind die
alle gleich hier und ich habe nicht viel Lust mit denen zu diskutieren.
Los schnell, beeile dich bitte.“

Gabrielle/Sven nimmt eine der Fackeln, um sich auf die Suche zu machen. Aber in der Hektik findet er nichts. Doch halt, was ist das? Da stecken lange, schwere Metallstangen im Boden. Mit der größten Mühe und der Kraft der Panik, gelingt es ihm, eine nach der anderen heraus zu ziehen.
Stolz auf seinen Erfolg, begibt er sich zu Xena, um ihr diese zu bringen.

Jedoch hält er wie gelähmt inne, als ein markerschütterndes metallisches Geräusch erklingt. Es läuft ihm eiskalt den Rücken runter, aber es eilt. Er überreicht Xena die Stangen und half ihr, diese mit dem Holzbalken zu befestigen.

XENA:
(fragend zu Gabrielle)
„Wo hast du die denn so schnell...“

Zu mehr kommt sie nicht. Das Geräusch wiederholt sich, nur diesmal erheblich stärker und lauter. Mit einem Knall, der beinahe ihre Trommelfelle platzen lässt, passiert das, womit keiner gerechnet hat. Bevor Gabrielle/Sven sich dessen bewusst wird, schnappt Xena sie sich, öffnet die Türe und zieht Gabrielle mit nach draußen ins Freie. Mit einem Hechtsprung bringt Xena beide in Sicherheit.

Aus der Deckung heraus müssen beide beobachten, wie dieser Koloss, warum auch immer, sich langsam nach vorne in Richtung Meer neigt, unter einem heftigen Grollen und Donnern abkippt und ins Meer stürzt.



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