Kapitel 1: Unerwarteter Besuch
- Aufblendung-

RHODOS; TAVERNE -- NÄCHSTER MORGEN

Wieder ist eine Nacht vorüber. Xena hat am Vorabend mal wieder ihre guten Beziehungen spielen lassen, so dass sie in einer Herberge eine gute Unterkunft bekommen. Aber eines verwundert Sven immer wieder... Woher haben sie denn nur immer das Geld um Essen zu kaufen, Überfahrten oder gar Unterkünfte zu bezahlen? Das hat er sich auch immer schon gefragt, wenn er die ganzen Folgen der Fernsehserie verfolgte, und nie jemanden sah der das erklären konnte.
Sven grinst in sich hinein und beschließt, Xena danach zu fragen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit die er nicht ungenutzt verstreichen lassen will, um aus berufenem Munde eine Antwort zubekommen.

Er reibt sich die Augen und setzt sich auf den Rand des Bettes in dem er selig und ruhig schlafend die Nacht verbrachte. Einmal herzhaft gegähnt und die Arme ausgestreckt will er Xena wecken.



SVEN/GABRIELLE:
„Guten Morgen, Xena, ich hoffe...“

Und verstummt erstaunt, als er das Bett von Xena leer vorfindet. Es ist noch etwas schummrig im Zimmer, aber er erkennt, dass Xena nicht da ist. Auch ihre Sachen sind nicht mehr da.

SVEN/GABRIELLE:
(zu sich)
„Na, du wirst schon wissen was du machst...
Dann werde ich mal selber auf Erkundungstour gehen. Mal gespannt was ich da
alles so finde. Selber Schuld, meine Liebe.“

Irgendwie freut er sich doch, dass er nun selber, ganz alleine und unbeaufsichtigt sich umsehen kann. Eine solche Gelegenheit, das antike Rhodos zu besichtigen, wird sich nie wieder ergeben.

Sven/Gabrielle zieht sich an, wäscht sich in der mit Wasser gefüllten Schüssel, die auf einem kleinen Tischchen steht, die Hände und das Gesicht. Gut gelaunt schlendert er/sie die Treppen von den Zimmern hinab in den Speisesaal der Herberge. Da Xena ja das Zimmer ja im Voraus bezahlt hat, geht er davon aus, das Frühstück sei hier ebenfalls inbegriffen. Noch etwas zögerlich, nimmt er von den aufgetischten Speisen etwas auf seinen Teller, sowie ein Becher mit Milch.
Er macht es sich bequem und genießt das Frühstück in vollen Zügen.

Eigenartig schmecken die Speisen hier in der Antike schon. So einen eigenartigen Geschmack hat er noch nie zuvor auf der Zunge gespürt. Aber es schmeckt hervorragend. Dies mag wohl daran liegen, dass dies alles ja noch niemals irgendwelche Chemie oder Pflanzenschutzmittel gesehen hat. Also Natur pur. Sven/Gabrielle beobachtet derweilen immer wieder die Leute die hier ein- und ausgehen. Einige Male muss er doch vor sich hingrinsen was da so alles an Leuten herumlaufen. Skurrile und traurige Gestalten wie auch Typen, denen er nicht einmal bei Tageslicht über den Weg laufen will.

Mitten in ihren Gedanken vertieft, erschrickt Sven/Gabrielle. Ihm bleibt beinahe das Herz stehen. Mit Mühe kann er einen Aufschrei vermeiden, als unmittelbar vor ihm ein greller Lichtblitz aufleuchtet. Er schließt die Augen und bedeckt diese mit ihrer Hand.

GABRIELLE/SVEN:
(noch geblendet)
„Ahhh.. Oh mein Gott... äh... Götter...?“

Er erkennt durch seine Augenschlitze nur einen wagen Umriss, da seine Augen sich noch nicht wieder an das Dunkle gewöhnt haben. Bevor er etwas weiter sagen kann, ertönt eine Stimme.

STIMME:
(weiblich und süßlicher Ton)
„Aber, aber, Schätzchen? Wer wird denn gleich vor Entsetzen vom Stuhl kippen? Tststs...“


GABRIELLE/SVEN:
(verblüfft und verdutzt)
„Nein nicht wirklich... Du, du musst Aphrodite sein... Leibhaftig du bist es!“

Aphrodite, die plötzlich aus dem Nichts vor Gabrielle aufgetaucht ist, sieht diese verwundert an. Sie steht auf, setzt sich neben Gabrielle auf einen Stuhl und legt ihre Hände auf ihre Schultern und blickt sie fast mitleidig an.

APHRODITE:
( mit besorgtem Blick)
„Ist alles in Ordnung mit dir? Ja, ich bin es. Oder erkennst du deine Freunde nicht mehr?“

Ihr typisches süßes Lächeln umspült Dites Gesicht. Sie hat Gabrielle schon seit gestern beobachtet. Sie ist mal wieder durch die Lande gestreift um ihre Tempel zu inspizieren, und hat sich danach erst einmal gelangweilt. So hat sie beschlossen, mal wieder Gabrielle zu besuchen, zu der sie ein besonderes Verhältnis hat. Es kommt nicht oft vor, dass Götter sich Freunde erwählen. Doch zu Gabrielle hat sie sich schon immer irgendwie hingezogen gefühlt. Sie ist für Dite eine Art gute Freundin geworden. Oft schon hat sie Gabrielle geholfen und aus etlichen brenzligen Situationen befreit. Und nun findet sie eine Gabrielle hier in Rhodos vor, die von dem ihr bekanntes Verhalten abweicht.

GABRIELLE/SVEN:
„Aber... aber natürlich, entschuldige bitte, aber in letzter Zeit bin ich irgendwie nicht
ich selber. Wird wohl Zeit dass ich mich mal etwas entspanne.“

Versucht sie/er auszuweichen. Es ist wie ein Traum. Er sitzt tatsächlich einer echten Göttin gegenüber. Es ist unfassbar. Fasziniert starrt er Aphrodite an. Sie ist wunderschön... tausendmal schöner als das im Fernsehen schien. Er muss nun doch lächeln, als er erkennt, dass Aphrodite tatsächlich ein 'rosa' Hauch von Nichts anhat... Alles hätte er erwartet, aber das sie wirklich alles in rosa anhat, ist schon verblüffend.


APHRODITE:
(sichtlich begeistert)
„Au ja... wo wollen wir denn hin? Du brauchst dringend erst einmal ein anständiges
Entspannungsbad, anschließend eine wundervolle Massage und dann Entspannung in der
Sonne, mit viel Ruhe. Na was hältst du davon? Ja, ja, du brauchst mir nicht zu danken,
das brauche ich jetzt auch, aber alleine ist es so schreeeklich langweilig.“

Noch bevor Gabrielle/Sven etwas entgegnen kann oder ihm gar bewusst wird wie ihm geschieht, schnippt Aphrodite mit ihren Fingern, und ein gelbliches Leuchen umgibt beide. Ehe sie weiß was passiert ist, fühlt Gabrielle/Sven eine angenehme Wärme die ihren Körper umspült. Leise Musik durchflutet den Raum, der angefüllt ist mit dem Dampf des Bades, in dem sich Gabrielle/Sven wiederfindet. Er will sich schon beschweren, da er ungefragt hergebracht worden ist, aber da fällt ihm wieder ein, dass Aphrodite es mit Gabrielle nie böse gemeint hat und nur ihr bestes wollte.


- Schnitt-

APHRODITES GEMÄCHER

Gabrielle/Sven liegt nackt in warmen angenehm duftendem Wasser mit dem Rücken zum Beckenrand hin, direkt gegenüber von Aphrodite. Erst jetzt fühlt sie wie angenehm und gut es ihr tut. Nach all den Aufregungen, Wirrungen und diesen unglaublichen Erlebnissen, genießt sie dieses Bad und schließt die Augen. All die Anspannungen der letzen Tage scheinen von ihr genommen. Auch scheint die Zeit für diesen Augenblick stehen zu bleiben. Sie wünscht, dieser Augenblick werde niemals vergehen. Sie lässt all das Unglaubliche, was ihr innerhalb kürzester Zeit widerfahren ist, Revue passieren. Wer sie/er eigentlich ist und was sie nicht begreifen kann.

Mit einem kurzen *Splatsch* des wohlriechenden Wassers wird sie aus ihren Träumen geholt.

APHRODITE:
„Na, da bin ich wohl zum richtigen Zeitpunkt erschienen, meine Liebe. Hey, willst
du mir nicht erzählen, was dich bedrückt? Reden kann wahre Wunder vollbringen.“

Sie sieht diesen nachdenklichen und etwas traurigen Ausdruck in Gabrielles Gesicht, der ihr Sorgen macht. Mit einem Augenzwinkern ruft sie einige Dienerinnen herbei, die heißes Wasser und feinste Duftöle eingießen, die entspannend und beruhigend auf Gabrielle wirken. Diese löst sich langsam von ihrer Anspannung und kommt wieder etwas zu ruhe.

GABRIELLE/SVEN:
(mit leiser Stimme)
„Oh ja, das ist eine wahre Wohltat. Ich weiß nicht wie ich das jemals wieder gut machen soll.“

Aphrodite winkt nur ab und lächelt Gabrielle aufmunternd an.

APHRODITE:

„Aber ich bitte dich, wofür willst du dich denn bedanken? Ich bin doch verantwortlich
für das Wohl meiner Bardin. Nun komm schon, was bedrückt dich denn? Ich sehe es
dir doch an deiner Nasenspitze an.“

Sie spritzt ihr etwas von dem Wasser ins Gesicht.

Bei Aphrodites Aufforderung, ihr mitzuteilen, was sie bedrückt, kommt Gabrielle/Sven die ganze Tragweite des Geschehenen, wieder in den Sinn. Das was sie beziehungsweise er ist.
Irgendwas ist doch während seines Schlafes auf dem Schiff gewesen... Dieser Traum, der immer noch im Nebel des Unterbewusstseins vergraben ist, kommt nur in Bruchstücken nach oben. Was soll er Aphrodite erzählen? Die Wahrheit, der Selentausch? Soll er ihr alles erzählen, oder die Göttin der Liebe gar anlügen? Er beschließt vorerst nichts zu sagen, aber auch keine Lügen zu erzählen.

SVEN/GABRIELLE:
(noch zögerlich)
„Ach Aphrodite... Wo soll ich anfangen? Es ist so viel Unglaubliches geschehen in den
letzen Tagen, dass ich mir manchmal vorkomme, als wäre ich nicht ich selber. Ich stehe
regelrecht neben mir, man könnte sagen ich bin nicht ich selber und weiß nicht was ich
tun soll. Irgendetwas will dass ich in Rhodos irgendwas Wichtiges und Erschreckendes
erledige, aber ich weiss nicht was.“


APHRODITE:
„Ich glaube, ich hätte mal besser früher nach dir geschaut. Das hört sich ja nicht gut an. Soll
ich dir helfen, deine Erinnerungen wieder zu erlangen? Aber schlage mich nicht, wenn
diese nicht gut sein sollten.“

Und mit einem Mal landet Gabrielle/Sven auf einer flauschigweichen Liege. Auf dem Rücken liegend wird er mit Decken darauf gebettet. Er dreht den Kopf etwas zur Seite, um Aphrodite sehen zu können, genießt es aber hier zu liegen. Beinahe erschrocken hört er den gut gemeinen Ratschlag von ihr. Aber damit wäre auch klar, wer da vor ihr liegt. Aber kann oder darf man einer Göttin dies vorenthalten? Nein, kommt er zu dem Schluss und fasst sich ein Herz um ihr die Wahrheit zu sagen. Sie hat es nicht verdient, angelogen zu werden.

Gerade will er Luft holen um zu erzählen, als ein lautes Stapfen und eine ihr bekannte männliche Stimme ertönt.

MÄNNLICHE STIMME:
„Also hier steckst du, Schwesterherz.“
(lachend)
„Ich möchte dich ja nicht bei deiner Schönheitssitzung stören, aber ich will dich fragen ob...“

APHRODITE:
(etwas erbost)
„ARES... Kannst du eigentlich nicht anklopfen, bevor du hier so hereinplatzt
wie ein Bauerntrampel? Typisch Mann.“

Das Lachen bleibt Ares im Halse stecken, als er beim Näherkommen Gabrielle auf der Liege erblickt. Auch stockt er mitten im Satz und bringt vor Erschrecken keine Worte heraus. Er hat nun überhaupt nicht damit gerechnet, Sven... beziehungsweise Gabrielle oder wie auch immer, hier vorzufinden.

Aphrodite bemerkt wie Ares überrascht stehen bleibt. So hat sie ihren Bruder schon lange nicht mehr gesehen. Irgendetwas stimmt hier überhaupt nicht mehr. Sie steht auf, baut sich direkt vor Ares auf, legt die Hände an ihre Hüfte und blickt ihn fordernd an.

ARES:
(verlegen)
„Also... ich...“
(wieder etwas gefasster)
„Ich wusste nicht dass du Gabrielle zu Besuch hast. Ich will nur...“

Weiter kommt er nicht, da Aphrodite ihm ins Wort fällt.

APRODITE:
(fordernd)
„Ares!!! Es reicht. Was ist passiert? Los, sag mir sofort was los ist. Du hast doch
wieder etwas verbockt. Das sehe ich dir doch an. Aber wehe, du hast was mit Gabrielle
angestellt, dann Gnade dir Zeus! Dann wirst du mich von einer Seite kennenlernen,
die du so noch nie an mir erlebt hast!“

Sichtlich verlegen, nimmt Ares seine Schwester an die Hand und flüstert ihr etwas ins Ohr, so dass Gabrielle nicht hören kann, was er ihr sagt. Als er scheinbar fertig ist, dreht sich Aphrodite zu Gabrielle um und bemerkt nur kurz.

APHRODITE:
„Mach dir keine Sorgen, ich bin gleich wieder da... Und wehe, er hat dir was angetan“

Sprichts und verschwindet mit Ares.


- Ausblendung-