Kapitel 4: Am Anfang einer Reise
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SCHATTENREICH

Xena geht unruhig auf und ab. Nanami versucht sie zu beruhigen.

NANAMI:
(ruhig)
„Hab Geduld. Es wird bald etwas geschehen. Ich spüre es.“

XENA:
„Geduld? Geduld war noch nie eine meiner bevorzugten Eigenschaften.“

Um sich abzulenken, macht sie einige Übungen mit dem Katana. In diesem Augenblick erscheint Akemi.

AKEMI:
(beunruhigt)
„Woher hast du das Katana?“

XENA:
„Du warst dir anscheinend zu sicher.
Deine Arroganz hat dich nachlässig gemacht.
Gabrielle fand einen Weg zu mir.
Und rate mal, was sie mir als
Begrüßungsgeschenk mitgebracht hat!“


AKEMI:
(wütend)
„Gabrielle? Dann muss ich dir nun leider mitteilen,
dass der Kopf deiner Freundin nun gewiss
schon am Gürtel meines Shogun baumelt.“

Xena ist nun nicht mehr zu halten. Sie lässt ihren Kriegsschrei ertönen und stürmt auf Akemi zu. Doch die verschwindet von einer Sekunde zur anderen und taucht mit schallendem Gelächter hinter Xena auf.

Akemi streckt einen Arm nach vorn und aus ihrer Handfläche entspringt ein Feuerball, der schnell auf Xena zurast.

Die Kriegerprinzessin vollführt einen Salto und der Feuerball verfehlt sein Ziel um Haaresbreite.

Akemis ganzer Hass entlädt sich in jedem neuen Angriff. Doch jedes Mal, wenn Xena das Katana gegen sie richten will, entkommt ihr Akemi blitzschnell.

Aber Xena gibt nicht auf. Ein weiterer Feuerball kommt auf sie zu. Sie lässt sich zu Boden fallen, rollt sich geschickt ab und steht im Nu wieder auf den Beinen.

Akemi öffnet ihren Kimono. Ein steinernes Herz schlägt in ihrer Brust. Xena wird von einer Art Strudel erfasst. Der Sog wird immer stärker. Die Waffe fällt ihr aus der Hand und im letzten Moment ergreift sie die Schale mit der ewigen Flamme. Sie schleudert das Gefäß mit all ihrer noch verbliebenen Kraft dem Schlund entgegen.

Eine gewaltige Explosion entlädt sich und die Kriegerprinzessin wird zurückgeworfen.

Als sie aufblickt, sieht sie Akemi. Sie scheint lichterloh zu brennen. Ohrenbetäubende Schreie dringen aus ihrem Inneren nach draußen.

Doch dann steigt ein Schatten nach dem anderen aus dem Dunkel hervor, Hunderte, Tausende. Sie sind überall und suchen nach einem Ausweg.

Nanami, die sich bisher im Hintergrund gehalten hat, kommt hervor und nimmt das Katana an sich.

NANAMI:
(laut)
„NIMM ES, XENA! TU ES JETZT!“

Sie schleudert die Waffe über den Boden und Xena ergreift sie. Kraftlos und mühsam erhebt sie sich. Das Gehen fällt ihr schwer. Immer weiter nähert sie sich Akemi. Dann steht sie vor ihr. Die Hitze schlägt ihr entgegen. Das Feuer droht, auch sie zu ergreifen.

Akemis Macht scheint für den Augenblick von den reinigenden Flammen gebannt zu sein. Doch noch schlägt ihr kaltes Herz. Sie bäumt sich auf und ihre brennende Hand ergreift Xenas Arm.

AKEMI:
(selbstsicher)
„Du kannst nicht siegen.“

Xena verspürt Schmerz und Angst, doch es ist nicht der Schmerz des Feuers. Es sind die Schmerzen und Ängste in ihrer Seele. All das Leid, das sie einst verursacht hat, scheint an die Oberfläche zu dringen. Es ist an der Zeit sich ihnen zu stellen, loszulassen oder unterzugehen.

Es ist dieser eine Augenblick, der über alles entscheidet. Die Flammen haben bereits ihren Oberkörper erreicht und drohen nun, ihren gesamten Körper zu erfassen.

XENA:
„Ich habe bereits gesiegt.“

Mit einem lauten Aufschrei überwindet sie sich selbst, hebt das Katana und stößt es durch das Feuer hindurch in Akemis steinernes Herz.

Das Herz zerbirst und die Waffe zerbricht in zwei Hälften.

Xena sieht an sich herab. Sie ist unversehrt. Die Flammen haben ihr nichts angetan. Zunächst ist es still und es gibt nur noch Dunkelheit. Aber dann...

In weiter Ferne erstrahlt ein Licht.

NANAMI:
„Xena, sieh nur.“

XENA:
(traurig)
„Ich sehe es, ja.“

NANAMI:
„Warum bist du so traurig? Nun sind wir frei. Alle sind frei.“

XENA:
„Das habe ich schon einmal gehört. Wo ist Akemi? Was ist mit ihr geschehen?“

NANAMI:
„Ich hoffe, wir werden es nie erfahren.“

Die unzähligen Schatten werden magisch von dem Licht angezogen. Auch Nanami verspürt, dass es für sie an der Zeit ist zu gehen. Dort, wo zuvor nur Angst und Schrecken geherrscht haben, ist nun Freude und Dankbarkeit.

Noch nie zuvor hat Xena einen derartigen Frieden in sich gespürt. Nanami entfernt sich immer weiter von ihr. Xena fühlt, dass auch sie in das Licht eintauchen will. Es kommt näher und näher.

Sie wird von all den Gestalten umringt und schließlich emporgehoben.

Es scheint alles vergessen zu sein, was vorher gewesen ist.


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BERG FUJI

Es ist ein langer Fußmarsch gewesen und Gabrielle ist sichtlich erschöpft. Schließlich erreichen sie und Isamu das Ende des Weges. Nur kurz haben sie unterwegs gerastet und ein wenig geschlafen. Als sie ins Freie treten, ist der Himmel sternenklar. Die Wolken sind verschwunden.

Gabrielle setzt sich auf einen Stein, um sich ein wenig auszuruhen.

ISAMU:
(drängend)
„Mond ist bereits aufgegangen. Haben nicht viel Zeit.“

GABRIELLE:
(ängstlich)
„Ja, ich weiß. Das macht mir ja solche Angst.“

ISAMU:
„Jetzt gehen weiter. Sehen nach unten.
Brunnen warten auf dich.“

Gabrielle steht auf und geht zu Isamu. Sie hat alles in ihrer Macht Stehende unternommen, um hierher zu gelangen und nun... Nun liegt das Ende ihrer Reise nur wenige Schritte vor ihr. Und sie zögert diese zu gehen.

Doch dann nimmt sie sich zusammen, atmet einmal tief durch und steigt über die Felsen hinab zum Brunnen.

Isamu folgt ihr in einiger Entfernung.


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AM BRUNNEN

Als sie am Ziel ankommt, erblickt Gabrielle die Urne. Sie steht auf dem Rand des Brunnens. Die Bardin nimmt sie in beide Hände und sieht Isamu fragend an.

ISAMU:
„Wenn Mond sich spiegelt in Zentrum, dann schütten Asche in Wasser.“

Gabrielle wartet. Die Zeit scheint still zu stehen. Sie ist voller Ungeduld und Erwartung.

Aber dann ist es soweit und Gabrielle wendet sich dem Brunnen zu. Sie öffnet das Gefäß. Langsam und bedächtig leert sie den Inhalt der Urne aus.

Doch zunächst geschieht gar nichts.


- Schnitt -

SCHATTENREICH

Die ersten Schatten vereinigen sich mit dem Licht und Xena sieht ihnen nach.

Plötzlich wird sie zurückgezogen. Noch einmal erblickt sie Nanami.

NANAMI:
(rufend)
„Wir sehen uns wieder. Irgendwann.“

XENA:
„Nanami? Was geschieht mit mir?“

NANAMI:
„Die Liebe, Xena. Die Liebe.“

Doch Nanami ist verschwunden. Immer weiter entfernt sich Xena. Viele der Schatten gleiten an ihr vorbei.


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AM BRUNNEN

Gabrielle starrt gebannt auf das Wasser. Die Minuten vergehen.

Auf einmal verfärbt sich die Oberfläche schwarz und das Wasser beginnt zu brodeln als kochte es. Rauchschwaden steigen empor. Die Bardin tritt einige Schritte zurück.

Der ganze Ort liegt in einem dichten Nebel. Gabrielles Herz schlägt wie wild und sie atmet schwer. Dann sieht sie, wie ein Körper dem Brunnen entsteigt und aus dem Nebel heraustritt. Ein Schauder läuft ihr über den Rücken.

Xena ist unbekleidet und das lange schwarze Haar liegt nass auf ihren Schultern.

XENA:
(leise)
„Hi.“

GABRIELLE:
(flüsternd)
„Hi.“

Sie sehen minutenlang nur an. Gabrielle hat Angst, es könnte nur ein Traum sein. Es erscheint ihr alles so unwirklich. Sie befürchtet, wenn sie ihre Augen abwendet, könnte es nicht wahr sein. Und so starrt sie nur auf die Frau, die vor ihr steht.

Gabrielle schluckt. Sie schmeckt etwas Salziges auf ihren Lippen. Tränen rinnen über ihr Gesicht.

Ihre Hände berühren sich.

GABRIELLE:
„Deine Hand ist so warm.“

XENA:
(lächelnd)
„Darf ich dich in den Arm nehmen?
Oder ist es dir unangenehm, dass ich nichts anhabe?“

Nun muss Gabrielle unwillkürlich lächeln. Sie geht einen Schritt nach vorn und legt ihren Kopf an Xenas Brust.

Eng umschlungen stehen sie beieinander.

GABRIELLE:
„Wir werden dir etwas zum Anziehen besorgen. So kann man
dich doch nicht auf die Menschheit loslassen.
Vielleicht etwas aus Leder.“


XENA:
(überlegend)
„Ja, ich glaube Leder wird mir ganz gut stehen.“

Der Priester Isamu legt seinen Umhang ab.

ISAMU:
„Jetzt ich muss gehen. Nehmen Umhang. Freundin vielleicht frieren.
Möglicherweise Freundin wird gesteinigt wenn ohne
Kleidung in Higuchi eintrifft.“

Gabrielle löst sich für einen Moment aus Xenas Umarmung. Sie verbeugt sich vor Isamu und dankt ihm. Dann nimmt sie den Umhang und legt ihn Xena über die Schultern.

XENA:
„Und? Wohin gehen wir jetzt?“

Gabrielle greift an ihren Gürtel, nimmt das Chakram und hält es Xena entgegen.



GABRIELLE:
„Ich weiß nicht. Lass uns nach Süden gehen, ins Land der Pharaonen. Ich habe gehört, dass sie dort ein Mädchen mit einem Chakram benötigen.“

Xena nimmt ihr Chakram und hält Gabrielles Hand.

XENA:
„Wo immer du hingehst,
ich bin an deiner Seite.“


GABRIELLE:
„Ich wusste, dass du das sagen würdest.“




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Disclaimer

Beim Schreiben dieser Episode verlor der Autor vorübergehend die Kontrolle über sein Schreibwerkzeug. Es wurden jedoch keine fiktiven Helden mit Pfeilen durchlöchert, einen Kopf kürzer gemacht, verbrannt oder ihrer großen Liebe entrissen.