Letztes Mal bei Xena:

Gabrielle befand sich auf der Heimreise. Ihr Schiff wurde von Piraten überfallen und sie selbst verschleppt. Aber sie bekam Hilfe von einer anderen Gefangenen, die sich Nanami nannte. Beide flohen zusammen. Doch die Piraten verfolgten sie und es kam zum Kampf. Nach ihrem Sieg wusste Gabrielle, dass sie Xena um jeden Preis zurückholen musste. Aber die geheimnisvolle Nanami war verschwunden.

Einführung: Die Überfahrt
- Aufblendung -

AUF DEM MEER

Die See ist rau und Gabrielle überkommt ein altbekanntes Gefühl des Unwohlseins.

Sie liegt in ihrer Kabine und denkt über die Geschehnisse nach. Es ist viel passiert und dennoch hat sie das Gefühl, nicht wirklich etwas erreicht zu haben. Xenas Asche in den Händen von Akemi, dieser Gedanke lässt sie schaudern. An wen soll sie sich wenden, wenn sie die Küste von Japa erreicht hat?

Was hat die Stimme gesagt? Ist Nanami ein Geist oder nur einer dieser Menschen, welche die Fähigkeit besitzen, ihren Körper zu verlassen und anderen in Geisterform zu erscheinen?

Gabrielle ist müde. So unendlich müde.

GABRIELLE:
(in Gedanken)
„Xena, warum kann ich dich nicht mehr spüren?
Bist du schon so weit weg von mir?“

Fragen, viele Fragen und keine Antworten. Gabrielle fällt in einen traumlosen Schlaf.
Es ist ein wohltuender Schlaf, ohne Angst und ohne Fragen. Fragen, die ihr wohl nur die Zukunft beantworten kann.

- Schnitt -

SCHATTENWELT

Es ist dunkel. Nur ein kleiner Lichtschein, der von einer immer brennenden Flamme verursacht wird, erhellt den Ort. Gestalten und Schatten passieren die Flamme und hinterlassen nicht mehr als einen Umriss an der Wand, an der sie vorbeigleiten. Einer dieser Schatten verharrt im Schein der Flamme.
Die Umrisse werden allmählich deutlicher. Es ist die Silhouette einer Frau.

Sie verharrt in gebückter Haltung. Es hat den Anschein als trage sie die Last der ganzen Welt auf ihren Schultern.
Nach einer Weile nähert sich ein weiterer, kleinerer Schatten, dann noch einer und ein weiterer, bis sie so zahlreich sind, dass sich ihre Umrisse miteinander verbinden. Zunächst ist nur ein Flüstern zu hören, das sich aber in Windeseile zu einem ohrenbetäubendem Wirrwarr verschiedener Stimmen vermischt.

Der Schatten der Frau erhebt sich mühsam und langsam.

FRAU:
(laut rufend)
„SEID STILLL!!!“

Der Lärm verstummt.

Die anderen Schatten versammeln sich um die Frau und sprechen mit einer Stimme.

SCHATTEN:
"WIR SIND EINS. DU GEHÖRST NICHT ZU UNS."

FRAU:
(leise)
„Wer seid ihr?“

SCHATTEN:
„WIR SIND DIE SEELEN DER 40000. WIR SIND VERLOREN.“

FRAU:
(erstaunt)
„Nein, das seid ihr nicht. Ich habe euch erlöst. Ihr seid frei.“

SCHATTEN:
„DAS SIND WIR NICHT. AKEMI HAT UNS IN IHRER GEWALT. DEIN OPFER WAR UMSONST, XENA.“

XENA:
(ungläubig)
„Nein, das glaube ich nicht. WO ist Akemi? Es ist so dunkel.“

Plötzlich durchfährt ein scharfer Windhauch die Dunkelheit. Die Schatten wirbeln in heller Aufregung hin und her.

SCHATTEN:
„FLIEH XENA. WIR KÖNNEN DIR NICHT HELFEN.
DU BIST NOCH KEINE VON UNS.“

Der Windhauch wird zu einem Wirbel, der alle Schatten, bis auf einen, hinfort bläst. Dann wird der Wirbel langsamer und kommt schließlich zum Stillstand. Die Dunkelheit weicht einem strahlenden Licht und Xena erkennt Akemi.

Beide stehen sich in ihrer menschlichen Gestalt gegenüber. Xena fühlt wie das Blut durch ihre Adern fließt und doch weiß sie, dass es nicht real ist, sondern nur eine Illusion.

AKEMI:
„Du kannst nicht fliehen. Dieser Ort hat keine Türen und keine Fenster.
Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass du jemals Vergebung erlangen könntest;“

XENA:
(wütend)
„ann ist es wahr? Es war alles umsonst?

AKEMI:
(ironisch)
„Nein, das sehe ich nicht so.
Du hast meinen Vater aus dem Weg geräumt
und dafür bin ich dir wirklich sehr dankbar.
Ich werde mächtiger sein als er es je war.
Das habe ich dir zu verdanken. Und darum werde ich dir einen Gefallen tun.
Ich schenke dir Vergessen und die Möglichkeit
an meiner Seite mein Schattenreich zu regieren.;“


XENA:
(wütend)
„NIEMALS.
Du hast mich betrogen. Du hast mir alles genommen.
Gabrielle, was hab ich nur getan?“


AKEMI:
(herablassend)
„Nun gut. Wie du willst.
Dann schenke ich dir etwas anderes: Einsamkeit.
Für alle Ewigkeit sollst du hier alleine sein.
Deine Gabrielle wird dir nicht helfen können.
Vergiss nicht, dass du bist tot.“

Mit einem gehässigen Lachen verschwindet Akemi und Xena bleibt allein zurück.

- Schnitt -

AN DECK DES SCHIFFS

Gabrielle steht an der Brüstung. Sie wird jäh aus ihren Gedanken gerissen als ein Ruf zu hören ist.

SEEMANN:
„LAAAND IN SICHT!!!“

GABRIELLE:
(zu sich)
„Endlich. Japa.“

Eilig rennt sie unter Deck.

- Schnitt -

KABINE

Aufgeregt sammelt sie ihre Habseligkeiten zusammen. Das Chakram hängt sie an ihren Gürtel und die Sais finden ihren angestammten Platz in den Schlaufen an ihren Stiefeln.

Schnell wirft sie noch die Satteltaschen über die Schultern und sieht ein letztes Mal in jede Ecke, um ja nichts zu vergessen.

Plötzlich hört sie hinter sich ein Geräusch. Blitzschnell dreht sie sich um und greift an ihre Seite. Mit dem Chakram in der Hand erblickt sie ein vertrautes Gesicht.

GABRIELLE:
(erstaunt)
„Aphrodite? Bei allen Göttern, was machst du hier?“

Aphrodite lehnt lässig an der Schiffswand, gekleidet in einen rosanen Hauch von Nichts, und blickt Gabrielle ebenfalls erstaunt an.

APHRODITE:
„Bei allen Göttern? Nun ja, viele sind wir nicht mehr.
Das ist ja eine nette Begrüßung.
Wie wäre es mit: Aphrodite, schön dich zu sehen.
Oder: Wie geht es dir?“


GABRIELLE:
(wieder gefasst)
„Entschuldige. Schön dich zu sehen.
Was machst du hier?“


APHRODITE:
(lächelnd)
„Oh, vielen Dank meine Süße. Ich dachte so bei mir,
schau doch mal was deine Freundin Gabrielle so macht.
War gar nicht leicht dich zu finden. Aber man hat ja als Göttin viele Quellen.
Du kommst viel herum seit Xenas Tod.“


GABRIELLE:
(traurig)
„Du hast also davon gehört?“

APHRODITE:
„Nun ja, ich habe es von Ares.
Du kennst ihn ja, wenn es irgendwo ein größeres Gemetzel gibt, dann weiß er es.“


GABRIELLE:
(ärgerlich)
„So? Und wo ist er gewesen?“

APHRODITE:
(verwundert)
„Na hör mal! Er ist zwar ein Gott, aber auch ein Mann.
Oder kannst du als Frau die Männer wirklich verstehen?
Ich weiß nicht, wo er gewesen ist.
Auf jeden Fall hat ihn das mit Xena ganz schön mitgenommen.
Und dann ist er verschwunden.
Also, nun bin ich ja da. Kann ich etwas für dich tun?“


GABRIELLE:
(fordernd)
„Bring mir Xena zurück. Das wäre eigentlich alles.“

APHRODITE:
(empört)
„Das kann ich nicht. Das weißt du. Hallo? Ich bin es: Aphrodite, Göttin der Liebe.
Da müsstest du dich schon an Hades wenden, der ist dafür zuständig.
OOPS. Das geht ja nicht, eine gewisse Kriegerprinzessin hat ihn ja getötet.“


GABRIELLE:
„Dann schlage ich vor, dass du mich jetzt meine Arbeit machen lässt.
Ich werde schon einen Weg finden sie zurück zu holen.“

Gabrielle will gerade an Aphrodite vorbeistürmen. Doch diese hält sie fest.

APHRODITE:
(energisch)
„Haaalt mal an. Du bist aber auch nervös.
Weißt du nicht, dass man davon frühzeitig altert?
Vielleicht kann ich dir trotzdem behilflich sein.
Du weißt ja, ich habe da so meine Verbindungen.
Man muss ja auf dem Laufenden bleiben,
was die Götter anderer Völker so treiben.
Ich habe von einem Shinto - Mönch namens Isamu gehört.
Er soll einen sehr guten Draht zur Welt der Dämonen und Geister haben.
Finde seinen Schrein, vielleicht kann er dir helfen.“

Gabrielle hat aufmerksam zugehört und sieht Aphrodite verblüfft an.

APHRODITE:
(gekränkt)
„Sieh mich nicht so verwundert an.
Ich bin von Natur aus blond und nicht blöd.“

Doch dann sieht sie Gabrielle mit einem Lächeln an und verschwindet so plötzlich wie sie gekommen ist.

GABRIELLE:
(grinsend)
„Verstehe einer diese Götter.“


- Schnitt -

SCHATTENWELT

Der Schein, der von der ewigen Flamme ausgeht, ist Xenas einzige Lichtquelle. Sie nimmt die Schale, in der die Flamme lodert, in beide Hände. Xena irrt umher auf der Suche nach einem Ausweg. Die Umgebung sieht so unwirklich aus. Ein riesiges Labyrinth tut sich vor ihr auf. Verzweigte Gänge, die ins Nichts zu führen scheinen. Stunden sind vergangen. Oder sind es Tage, Wochen? Die Zeit hat hier keine Bedeutung. Xena fällt auf die Knie, erschöpft, verzweifelt.

XENA:
(schreiend)
„NEEEIIINNN!“

Plötzlich erhellt sich die Flamme und eine ihr unbekannte Stimme spricht zu ihr.

STIMME:
(leise)
„Hab keine Angst Xena. Ich versuche dir zu helfen.“

XENA:
„Wer bist du?“

STIMME:
„Mein Name ist Nanami und ich bin eine Freundin von Gabrielle.“

XENA:
(aufgeregt)
„GABRIELLE? Ist sie bei dir? Bist du ein Geist?“

NANAMI:
„Nein. Gabrielle ist nicht bei mir. Aber ich erwarte sie schon sehr bald.
Hab Mut und verzweifle nicht. Ich bin kein Geist.
Meine Kraft ist noch nicht stark genug,
aber gemeinsam mit Gabrielle werden wir es schaffen.“


XENA:
(mit neuem Mut)
„Und WAS bist du? Und warum können wir miteinander reden?“

NANAMI:
„Ich bin eine Itako. Du nenntest mich eine Schamanin.
Schon meine Mutter war eine Itako. Von ihr habe ich die geheimen Rituale gelernt.
Und nun bin ich hier, um Akemi zu bekämpfen.
Ihre Macht ist bereits stark und wir müssen sie aufhalten.
Mach dich bereit Xena. Wir werden den Kampf aufnehmen.
Ich muss nun gehen, mein Körper ruft nach seinem Geist.“

Xenas Augen füllen sich mit Tränen. Sie schöpft Hoffnung.


XENA:
(leise)
„Sag Gabrielle, dass ich sie liebe.“

Die ewige Flamme lodert in Xenas Händen. Es scheint, als wäre nun alles etwas heller und wärmer. Die Hoffnung, die zunächst nur ihren Verstand erhellt hat, erhellt nun ihr ganzes Wesen. Sie fühlt sich nicht mehr allein.


- Ausblendung -

Get the Flash Player to see this player.