Kapitel 4: Unerwartete Wendung
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AUßERHALB DER PIRATENHÖHLE

Nach schnellem Ritt kommt Gabrielle zielsicher am Strand und der Piratenhöhle an. Ihr Orientierungssinn ist so gut wie eh und je. In gebührender Entfernung hält sie ihr Pferd an, steigt ab und zieht das Schwert aus der Halterung am Sattel. Vorsichtig nähert sie sich dem Unterschlupf, um festzustellen, ob noch Wachen zurückgelassen wurden. Von außen ist nichts zu sehen oder hören, was aber nicht viel zu sagen hat.


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IN DER HÖHLE

Langsam geht sie durch den Eingang. Allmählich gewöhnen sich ihre Augen an das fahle Licht, das im Inneren herrscht. Nur vereinzelt flackern noch ein paar Kerzen, die aber nicht mehr lange brennen würden.
Beruhigt stellt Gabrielle fest, dass wohl alle Piraten an der Suche nach ihr und Nanami teilgenommen haben. Sie nimmt sich eine Fackel, die am Boden liegt und entzündet sie an den Resten der Kerzen, die auf dem Tisch stehen. Ebenso entzündet sie die anderen Fackeln, die an den Wänden hängen, so dass diese nun die ganze Umgebung ausleuchten.

Beim Umschauen entdeckt sie noch einige Fleischstücke an der Feuerstelle, die noch nicht verkohlt sind und nimmt diese heraus. Herzhaft beißt sie hinein und vor lauter Hunger verschlingt sie es regelrecht. Nachdem Gabrielle satt und auch nicht mehr durstig ist, setzt sie sich auf eine Bank, die mit einem weichen Fell belegt ist. Das tut ihr so richtig gut.


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Nach etwa zehn Minuten des kurzen Ruhens steht sie wieder auf und besinnt sich ihres eigentlichen Anliegens. Sie durchstöbert jeden Winkel des Unterschlupfes, jedoch ohne Erfolg. Weder die Urne noch ihre Waffen sind zu finden.

GABRIELLE:
(schreiend, hält sich die Hände vor die Augen, ihr Gesicht gegen Himmel gerichtet)
„NEIIIN!!!“

Sie will und kann nicht akzeptieren, dass ihr auch noch Xenas Überreste für immer geraubt sein sollen.

GABRIELLE:
(rufend zu den Göttern, Eli oder einer anderen Macht)
„Nein, ich werde Xena wieder bekommen! Ihr habt mir schon zu viel genommen, aber dies bekommt ihr nicht!“

Sie sagt es ganz so als wolle sie dem Schicksal drohen. Im gleichen Moment wird es außerhalb der Höhle gleißend hell und das Licht dringt bis in die Höhle vor.

GABRIELLE:
(schützend die Hände über den Augen)
„Was bei den Göttern geht hier vor sich?“


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VOR DER HÖHLE

Sie schreitet in Richtung des Lichts, das nun etwas an Intensität abnimmt. Was sie da erkennen muss, lässt ihren Atem stocken. Sie sieht auf dem Wasser einen hellen Lichtschein, der sich zu einem Strahl bündelt und in den Himmel zu zeigen scheint - oder ist es umgekehrt? Der Lichtstrahl erinnert Gabrielle an den, der damals Eve getroffen hat, als sie von Eli erleuchtet wurde, auch wegen seiner Form. Sollte das? Nein es muss...
Ohne lange nachzudenken, springt Gabrielle in die Fluten und schwimmt zu der angezeigten Stelle. Dann ist der Strahl mit einem Male verschwunden und sie erkennt in dem immer noch erleuchteten Untergrund die Überreste des Schiffes. Sie holt nochmals tief Luft und taucht hinunter.




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UNTER WASSER

Zum Glück liegt das Wrack nicht zu tief, so dass sie ohne Mühe dort ankommt. Seltsam und fast unwirklich beleuchtet liegt das Schiff, beziehungsweise was von diesem übrig geblieben ist, auf dem Grund.

Gabrielle taucht über das Deck, durch die Tür, die einst zu ihrer Kabine geführt hat. Sie hofft, dort vielleicht noch etwas, das ihr gehört, wieder zu finden.

GABRIELLE:
(in Gedanken)
„Eigenartig.“

Der Weg dorthin ist wie aufgeräumt und scheint geradezu auf Gabrielle gewartet zu haben.
In ihrer Kabine angekommen sieht sie, dass sich hier überraschenderweise noch eine kleine Luftblase befindet. Sie testet diese auch gleich aus und bemerkt freudig, dass sie hier Luft holen kann. So bleibt ihr doch etwas mehr Zeit, um sich umzusehen.

Noch immer ist das Schiff angenehm von Licht durchflutet, so dass alles rings um sie gut zu erkennen ist. Gabrielle taucht einige Male und findet in einer versteckten Ecke ihr Chakram und auch die Sais. Bei der weiteren Suche findet sie auch zu ihrer Erleichterung die kleine Truhe, in der sich die Urne mit Xenas Asche befindet. Nun erweist sich Gabrielles Idee, bei der Abreise die Urne sicher zu verschließen, als eine gute, obwohl sie es da noch nicht wusste.

GABRIELLE:
(in Gedanken)
„Warum nur haben die Piraten meine Sachen zurückgelassen?“

Gabrielle taucht wieder aus dem Schiff hinaus. Kaum ist sie hinausgeschwommen, verschwindet das Licht und das Wrack liegt im Dunkeln und zerbricht in dem Moment, als sie es verlässt.
Erschrocken schwimmt sie wieder an die Oberfläche und an den Strand zurück.


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IN DER HÖHLE

Sie geht wieder in die Höhle und widmet sich dem beinahe schon erloschenen Lagerfeuer.
Mit einem Stecken stochert sie in der Asche, um das Feuer wieder zu entfachen, denn sie fröstelt trotz des warmen Wetters und will sich daran trocknen und erwärmen.
Noch schnell einige Holzscheite nachgelegt und schon flammt das Feuer wieder angenehm auf. Triefnass setzt sie sich neben das Feuer und stellt ihre „Schätze“ vor sich auf den Tisch.

Nachdenklich, aber mit einem freudigen Lächeln der Erleichterung, öffnet sie die Truhe und nimmt die Urne heraus. Sie lässt ihre Hand über das Gefäß gleiten. Man könnte meinen, Xena würde vor ihr sitzen und all dies spüren.

Beinahe so als würde sie eine Zeremonie vollführen nimmt Gabrielle die Urne in beide Hände, führt sie zu ihrem Schoß und stellt sie dort hinein. Ganz behutsam nimmt sie den Deckel ab und legt diesen auf den Tisch. Langsam und andächtig schaut sie in die Urne...

Ein kurzer Moment lang herrscht absoluter Stille. Dann...

Mit einem undefinierbaren Schrei springt Gabrielle auf und die Urne fällt auf den Boden und zerbricht. Der Inhalt ergießt sich auf den Boden und die Scherben verteilen sich ebenfalls.
Was ist geschehen?
Wieso hat Gabrielle ihren kostbarsten Besitz so erschrocken und in Panik fallen lassen?

Die Bardin fasst sich erstaunlich schnell und begibt sich zu dem Scherbenhaufen und dem matschigen Etwas, das einmal Asche gewesen ist. Kniend fasst sie in die Masse und zieht etwas daraus hervor. Es ist das, was sie in der Urne mit den Fingern ertastet hat. Es ist ziemlich verkohlt, jedoch erkennt man im Licht der Fackeln was es ist: Die Reste einer Kralle, die wohl zu einem Raubvogel gehört haben.
Ein böser Verdacht keimt in ihr auf. Hat man sie betrogen? Hat sie die ganze Zeit die Überreste eines "verdammten" Vogels behütet, in der Annahme, es seien Xenas Überreste?

GABRIELLE:
(laut rufend)
„Was geht hier vor? Vor welche Prüfung wollt ihr mich jetzt wieder stellen?
Reicht es euch noch nicht?“

Es wird immer verworrener.

GABRIELLE:
(laut, von sich selbst überrascht)
„A R E S... Welches Spiel treibst du hier wieder? Ich weiß, dass du es bist, los zeig
dich wenn du Manns genug dazu bist!!!“

Aber nach etlichen Aufforderungen kommen Gabrielle Zweifel an ihrem Verdacht. Denn wenn er es gewesen wäre, dann hätte er sich bestimmt schon, sich über Gabrielle lustig machend, gezeigt und seinen Spott herabrieseln lassen.

Dann hört sie eine leise und wohlwollend klingende Stimme aus dem Nichts. Sie kann niemanden sehen, aber die Stimme kommt ihr bekannt vor.

STIMME:
„Gabrielle... Es ist wohl an der Zeit dir etwas Wichtiges zu mitzuteilen.“

Eine kurze Pause und Gabrielle hört gespannt und mehr neugierig dann ängstlich zu.

STIMME:
(flüsternd)
„Gabrielle, all das was man dir seit Xenas *Tod* glauben machen wollte, war nicht
unbedingt immer die Realität oder gar Wahrheit. Ich weiß es, da ich es selber
mitbekommen habe. Ich konnte dieses Geheimnis bisher für mich bewahren, aber
nun ist die Zeit gekommen es mit dir zu teilen. Man hat dich aufs Gemeinste
belogen und betrogen.“

Gabrielle will bereits ansetzen eine Frage zu formulieren, doch diese Stimme unterbricht sie wieder.



STIMME:
(leise, vertraut)
„Nein, stell keine Fragen, denn meine Zeit, dir dies mitzuteilen, ist begrenzt. Es ist
wichtig, dass du all das verstehst.
Akemi, diese angeblich ehrliche Freundin hat euch auf das Bösartigste hintergangen.
Xena kann gerettet werden, denn Akemi hat sie glauben lassen, dass es keine andere
Möglichkeit als ihren Tod gäbe, um all die Seelen zu befreien und Yodoshi zu bekämpfen.
Aber das sollte Akemi nur ermöglichen, sich die gesamte Macht Yodoshis anzueignen,
um selbst als Herrscherin zu fungieren. Sie war immer machtgierig und konnte
nie genug davon bekommen. Aber sie ließ es sich nie anmerken. Das alles war von
langer Hand vorbereitet und seit vielen Jahren Bestandteil eines großen Plans.
Hätte Xena es auf irgendeine Art erfahren. hätte sie sich Akemi in den Weg gestellt,
also musste sie beiseite geschafft werden.“

Gabrielle kämpft mit den Tränen. Unbändige Wut durchströmt sie.

GABRIELLE:
(in Rage)
„Ich habe es gewusst. Ich habe es doch die ganze Zeit gewusst. Ich hab ihr
nie vertraut. Diese falsche Schlange. Aber auf mich hört ja keiner.
Hörst du Xena? Ich werde sie...“


STIMME:
„Xenas Asche kann durch ein Ritual wieder zum Leben erweckt werden, jedoch
obliegt es dir, diese Asche wieder zu finden, denn ich weiß nicht wo sie sich wirklich
befindet. Es war Akemi, die die Urne vertauschte, als sie den Abhang hinunterfiel.
Sie wollte dadurch jede Möglichkeit ausschließen, dass du es schaffen könntest Xena
zurück zu holen, falls du jemals auf den Gedanken kommen solltest.
Und sei auf der Hut, denn wenn Akemi mitbekommt, dass du ihr wohl behütetes Geheimnis
kennst, wird sie sich dir mit all ihrer Macht entgegen stellen um dich zu vernichten.
Dein Tatoo wird dich nicht vor ihr schützen, da Akemi es dir selber gegeben hat.
Das Einzige, womit ich dir im Moment helfen kann, ist dieses kleine Fläschchen mit
einer Essenz, die dich vor ihrem Einfluss beschützen kann.
Wir werden uns wieder begegnen und vergiss nie, was auf dem Spiel steht.“

Mit diesen Worten verschwindet die Stimme und das Fläschchen taucht neben Gabrielle auf dem Tisch auf. Sie nimmt es, immer noch versuchend zu verstehen, was soeben passiert ist, und verstaut es auf vorsichtig in einer Tasche.



GABRIELLE:
(zu sich selber)
„Xena könnte wieder ins Leben zurück? Aber wie nur?
Komm zurück. Sag mir was ich tun soll! Nanami?“

Das ist die Stimme, die ihr so bekannt vorgekommen war. Ja, es muss Nanami gewesen sein. Aber was hat sie mit Akemi oder gar Yodoshi zu tun?

Fragen über Fragen. Aber nun ist Gabrielle eins klar geworden: Sie wird alles dafür tun um Xena zurück zu holen. Sie hat nun die einmalige Chance und diese wird sie nicht ein zweites Mal vorbeiziehen lassen. Nein, den Fehler hat sie einmal gemacht. Das wird ihr nicht wieder passieren, das schwört sich Gabrielle bei ihrem Leben und alles was ihr heilig ist. Sie hat ein Ziel, das es zu erreichen gilt und sie wird es erreichen. Koste es was es wolle! Es scheint, als wäre es vom Schicksal bestimmt, dass sie beide nur gemeinsam existieren können. Zwei Seelen, die ohne einander nicht
vollständig sind und dadurch dem Untergang geweiht scheinen.

Gabrielle sieht zum Horizont. Alles ist friedlich.

Sie beschließt, den Rest der Nacht in der Höhle zu verbringen, um sich am nächsten Morgen ausgeschlafen und frisch gestärkt auf "ihren Weg", den sie erkannt hat, begeben zu können. Sie würde der anderen Seele, die ihr fehlt, zu Hilfe eilen um sich wieder mit ihr vereinen zu können.

So isst sie noch etwas, stillt ihren Durst und legt sich schlafen. All das muss sie erst nach und nach verarbeiten. Schnell schläft sie ein.

FORTSETZUNG FOLGT...
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